Mit der "Falado"

wieder nach Grönland

1. Tag - Sonntag - 27.04.2014

Aufregende Tage und Stunden liegen zurück. Gewissensbisse belasten mich, ob es richtig ist, er-neut einen mehrmonatigen Segeltörn zu starten. Doch eine innere Unruhe trieb mich an, den Kurs, den selbst erstellten Fahrplan einzuhalten. Unausgeglichenheit und Unfrieden hätten mich sonst zerrissen. Für den lieben und zurück gelassenen Partner sicher nur schwer zu verstehen und auch schwer zu ertragen…

Mit einer neuen Mannschaft wurden alle technischen Probleme in letzter Minute beseitigt, so dass dem Auslauftermin nichts mehr im Wege stand.
Unerwartet viele Freunde und Bekannte füllten den Schwimmsteg zunehmend und die schon oh-nehin überladene Falado, um uns eine gute Reise zu wünschen. Da fällt es einem schon schwer, sie in dem Kielwasser achteraus zu lassen. Die treuen Fans, Mannschaft der „Meta“, halfen selbstlos beim Ablegen, so dass die „Falado“ ohne Blessuren den Hafen bei auflandigem Wind verlassen konnte.
Kaum hatten wir die Mitte der Stör erreicht, stiegen unzählige Graugänse gen Himmel und gaben uns ihren Segen, indem sie sich erleichterten. Das Deck war übersät mit gutgemeinten Grüßen, auf die wir gut und gern hätten verzichten können.

Eine steife Brise aus dem Osten trieb die Yacht mit 9 kn vor sich her, so dass der Stadthafen in Cuxhaven in 4 Stunden erreicht wurde. Es waren ein paar Trainingsstunden für die Crew, die sich mit den Gegebenheiten an Bord vertraut machen konnte. Ein Sherry als Lohn für alle Seeleute an Bord gab es, nach dem alle Festmacher belegt waren.

2. Tag - Montag - 28.04.2014
Ein Teil der Mannschaft hat den Festlandaufenthalt noch einmal richtig genossen. Den gegebenen Umständen nach waren die Decksleute für den Starkwind von etwa 2-3 Beaufort nicht einsatzfähig. So ändern sich die Zeiten. Heute muss der Capitano alles selber erledigen, während die Mannschaft mit Eisbeuteln an gewissen Körperteilen in der Hängematte liegt und die Schiffsleitung auch noch die Arbeiten der Krankenpflege übernimmt. Der Flautenschieber konnte nach gut 2 Stunden seinen Dienst einstellen. Hoch am Wind, und mit einem herrlichen Sonnenuntergang erreichten die Seeleute mit der „Falado“ die deutsche Hochseeinsel. Der Tag endete mit einem zubereiteten Menü, natürlich vom Skipper zelebriert. Der Koch, eigentlich für die Mahlzeiten zuständig, war noch immer nicht dazu in der Lage. Kaum war der letzte Bissen verschlungen, waren die Se(h)leute in ihren Kojen verschwunden und hinterließen dem Schiffsführer einen riesigen Abwaschberg.
3. Tag - Dienstag - 29.04.2014
Zum Frühstück um 09:00h erschienen die Sailers vollzählig gut ausgeruht in der Messe, keine Spur mehr von Gleichgewichtsstörungen und sonstigen Beschwerden. Die Wetterprognose für die nächsten Tage löste nicht gerade Begeisterung hervor. schwach-windig und zum Teil aus NW. Ein Gemeinsamer Inselrundgang wurde einstimmig beschlossen. Dies löste bei Jens, einem der Besatzungsmitglieder spontane Begeisterung aus. Die vielen Vögel Möwen, Basstölpel und so seine Auffassung, müssen digital erfasst und gezählt werden. Mit seiner Fotoausrüstung, die gut und gern einen ganzen Fotoladen ausfüllen würde und an Bord zwischengelagert ist, machte er sich nachmittags nach der Kaffeepause mit leckeren Nusskuchen von Uta erneut auf den Weg mit den Worten: „Vor 20:00h bin ich nicht wieder zurück, alles braucht eben seine Zeit.“ Der Rest der Mannschaft schüttelte nur verständnislos den Kopf, als er nicht mehr wieder zu erkennen mit seinen Utensilien rund um den Körper verteilt davon zog. Nach 20:00h landete der erste gebratenen Fisch dieser Reise auf dem Tisch, den Jens von seinem Ausflug noch mitgebracht hat. Leichte Dünung, wie das Schaukeln eines Kindes im Kinderwagen, bewegte sich die „Falado“ im Takt der Wellen. Das Ergebnis: Einer nach dem anderen versanken auf dem Sofa in die Tiefschlafphase.
4. Tag - Mittwoch - 30.04.2014
Heute standen Arbeiten an, die für den Törn über die Nordsee noch erledigt werden mussten. Der neue Außenbordmotor für das Beiboot, behinderte Paulinchen, die sich von dem neuen Bordge-nossen gestört fühlte. Bei der Überfahrt nach Helgoland verweigerte sie zum Teil ihren Dienst. Die neue Platzvergabe wird hoffentlich für Ruhe sorgen. Nachmittags Spießrutenlauf nach einer Internetverbindung. So schickten die Insulaner die gesamte Crew zum Oberland und von dort wieder herunter und das ganze noch ein paar Mal. Meine Schuhe sind schon ganz abgelatscht und dass schon nach wenigen Tagen. Die neuen Besatzungsmitglieder ließen sich am Abend mit der Fähre auf die Düne übersetzen um zu sehen, ob der Bestand der Robben gesichert ist. Die Wette-raussichten für die nächsten Tage sind nicht gerade euphorisch. Dennoch hat sich die Schiffsleitung dazu entschieden, morgen Mittag auszulaufen. Der Tag endet für die Bordmannschaft der „Falado“ mit einem zünftigen Helgoländer Eiergrog im Lokal „Windjammer“.
5. Tag - Donnerstag - 01.05.2014
Um 08:00h ging es aus den Federn. Nach der ersten Stärkung des Tages war Frühsport angesagt, mit dem Rechner unter dem Arm zum Helgoländer Oberland. Märchenstunde in einem Online- Lokal. Sämtliche Seewetterberichte und solche die sich so nennen dürfen, wurden abgefragt. Da keine Sturm und Eisberge gemeldet waren, wurde seeklar gemacht und um 13:00h verließen wir den roten Felsen. Drei Stunden musste der Flautenschieber röcheln bevor die erste Brise die Segel in Form brachten. Eins bis gute 4 Windstärken reichten aus, um die junge Mannschaft außer Gefecht zu setzen. Die Mägen der Leichtmatrosen gaben ihren Inhalt frei und ergossen sich über Deck und Cockpit. Anschließend krabbelten sie in ihre Kojen und wurden 24 Std. lang nicht mehr gesehen. Eine Krankmeldung nach der anderen flatterte auf den Tisch. Der alte Capitano musste wohl oder übel das Ruder übernehmen. Eigentlich sollte er schon längst in den Ruhestand. Aber so ist das heute mit der Jugend. Mit häufigem Segelwechsel vertrieb er sich die Zeit und die kühle Nacht wurde nicht so wahr genommen.
6. Tag - Freitag - 02.05.2014
In der Messe war am Morgen keine Menschenseele. Der Koch, der Steward und der Rest der Mannschaft glänzten durch Abwesenheit. So konnte die Schiffsführung den Kühlschrank mal ganz allein plündern. Heute am Freitag schönstes Hochdruckwetter mit strahlend blauem Himmel. Der Wind kam dafür leider im Laufe des Tages immer spitzer von vorn, so dass der Kurs nicht mehr gehalten werden konnte. Nach und nach belebte das Cockpit sich wieder mit blassen Nasen der Kranken. Aber nur, um ein wenig die gesunde Blässe vom Gestirn der Sonne verfärben zu lassen. Es besteht also eine kleine Chance sie irgendwann auf dieser Reise mal wieder auf der Brücke begrüßen zu können. Unser Globus wird, wo man auch hinschaut, zur Ader gelassen. Öl und Gasbohrtürme lassen den Horizont bei Nacht mit ihren starken Scheinwerfern taghell erscheinen. Man könnte fast dem Trugschluss unterliegen, mit der Navigation stimmt etwas nicht, weil sie eher den Charakter einer Großstadt vermitteln, von denen wir laut Eintragung in der Seekarte noch Lichtjahre entfernt sein müssten.
7. Tag - Samstag - 03.05.2014
Zur Frühstückszeit noch immer gähnende Leere in der Messe. Die Schiffsleitung war mal wieder Selbstversorger. Jens beglückte sich später mit ein paar trockenen Keksen. Nachdem sie ohne Probleme dort blieben ohne den Rückweg anzutreten, wagte er sich an ein großes Stück Salami. Das führte prompt zu einem Rückschlag mit der Folge, seine Krankmeldung wurde verlängert auf unbestimmte Zeit und verzog sich erneut in seine Kemenate. Das Schiff dümpelt bei totaler Flaute wie eine Wiege, leicht hin und her. Paulinchen das Sensibelchen brauchte mal wieder ein paar Streicheleinheiten. Die neuen Lager waren etwas aufgequollen und mussten bei der leichten Dünung ausgebaut und nachgearbeitet werden. Das ist jetzt aber schon wieder Geschichte. Nun bewegt sie sich absolut jungfräulich ohne Mucken, leicht und geschmeidig.
8. Tag - Sonntag - 04.05.2014
Den fünften Tag nun auf schwankenden Planken unterwegs. Die ungünstigen Winde der letzten Tage liegen achteraus. Mit halben Wind aus SW, aber sehr schwach, sind wir auf Schleichfahrt Richtung England. Die meiste Zeit steht der Kapitän auf der Brücke. Die Mannschaft schwächelt noch immer. Leichter Regen spülte das kostbare Gewürz, meistens in Salzstreuern zu finden, all-mählich von Deck und Aufbau, so dass die mühselig aufgetragenen Farben der „Falado“ wieder sichtbar werden. Am Nachmittag wieder Flaute, alle Segel geborgen. Wie ein Havarist treiben wir in der See und es sind noch 95 sm bis zu unserem Ziel. Am Abend wird wie immer, die Hauptmahlzeit zubereitet. Aus allen Ecken höre ich: „ Habe keinen Appetit“, der Magen und Schwindelgefühle sind bei einigen Seeleuten hinzugekommen. Ob das noch mit der Bordapotheke hinzubekommen ist ? Also wird mal wieder selbst zu Topf und Rührlöffel gegriffen, bevor die Hose vom Leib rutscht. Wer weiß wann die Servicekräfte wieder zum Dienst erscheinen. Die leichte Abendbrise erlöst uns von der Dümpelei, es geht wieder ein Stück voran, bei 5°C.
9. Tag - Montag - 05.05.2014
Die Nacht und der frühe Morgen wurden mit Segelmanövern verbracht. Der Wind sehr launisch, wie so oft, mal stark mal schwach und er drehte sich wie ein Brummkreisel um die eigene Achse. An ein gutes Etmal war nicht zu denken.
Heute musste der Capitano mal ein Machtwort sprechen. Nach vier Tagen auf See noch immer keine Aktivitäten der vor Selbstmitleid jammernden Bordmannschaft . Sie hatten es sich in den Kojen gemütlich gemacht und dem Skipper die Arbeit überlassen. Keine Krankmeldung wird mehr akzeptiert. Sonst müssen sie zum Pferdedoktor und der hat so seine speziellen Methoden wie man schnell wieder auf die Beine kommt. Bei der gemeinsamen Teerunde an der frischen Luft gelobten alle Besserung. Laut Navigator müsste Schottland, unser erstes Auslandsziel, längst in Sichtweite sein. Doch die diesige Luft mit leichtem Nebel getränkt , versperrten den Blick auf die große Insel. 20:10h Ortszeit, wurden die Leinen der „Falado“ am Steg von Peterhead befestigt. Der Einlaufsherry sollte die Gleichgewichtsstörungen der leidgeprüften Seeleute neutralisieren. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Nach einem gemeinsamen Abendessen, freute sich die Bordmannschaft schaukelfrei in ihre Hängematten krabbeln zu können.
10. Tag - Dienstag - 06.05.2014
Ein ungewohntes Bild zur Frühstückszeit in der Messe. Jeder Platz war besetzt. Das macht Hoffnung für die Zukunft. In den vergangenen Tagen haben die Bodys der Yachtleute strenge Düfte entwickelt, die schnellstmöglich in der Waschanlage neutralisiert werden mussten. Danach Aufgabenteilung. Ein Teil der Crew befasste sich mit der Innenreinigung der Yacht um auch hier wieder frischen Glanz herzustellen. Die andere Hälfte musste sich noch einmal mit der Wind-steueranlage beschäftigen. Zwei weitere Lager mussten nachgearbeitet werden. In der See-fahrtsschule, nicht weit vom Hafen entfernt, wurde uns von sehr sympathischen netten Mitarbeitern, Internetzugang erlaubt. Eine halbstündliche Wanderung in die Innenstadt war nötig um den Einkaufskorb mit frischen Lebensmitteln zu füllen. Stunden später standen frischer Lachs mit Blattspinat und Salzkartoffeln, vom Koch zubereitet, auf dem Tisch.
11. Tag - Mittwoch - 07.05.2014
Mit dem Zampel voller Wäsche, die dringend einer Reinigung unterzogen werden musste, ginge es in den Waschsalon der Marina. Im Handwaschgang, wie zu Omas Zeiten, ging es den Dreck an die Wäsche. Die Reling an Bord diente als Wäscheleine und ökologisch wurde sie dann vom Wind und Sonne getrocknet. Der Koch und der Stuart unternahmen eine Fotosafari in die Stadt, um vor der Abreise noch ein paar digitale Eindrücke mitzunehmen. Der Rest der Mannschaft beschäftigte sich mit dem Rigg. Es musste nach den ersten Belastung nachgespannt werden Dann Wettercheck in der Seefahrtschule. Den Weg hätten man sich sparen können. Die Prophezeiung der Wetterexperten 5-6 Windstärken aus südlicher Richtung für die nächsten 48 Std. Das Glücksgefühl mit dem günstigen Wind dauerte nur eine halbe Stunde. Ein Gewitter mit anschließend umlaufenden Winden waren die Realität. Eine junge Möwe sah das Elend am späten Abend mit den schlagenden Segeln und ein nach Wind spähender Wachoffizier. Sie umkreiste die Yacht und ließ sich an Deck nieder. Ganz keck platzierte sie sich ohne Scheu ganz in meiner Nähe im Cockpit. Sie fing an sich zu putzen und sah mich vertraulich an, als würde das alles natürlich und selbstverständlich sein. Nach gut einer Stunde zwang mich eine leicht aufkommende Brise zu einigen Aktionen die dazu führte, dass sie das missbilligte und sich wieder auf den Weg in die Lüfte machte.
12. Tag - Donnerstag - 08.05.2014
Die schwachen und ungünstigen Winde haben nur dazu geführt, das Seerevier nördlich von Schottland kennenzulernen ohne auch nur eine Kabellänge dem Ziel näher gekommen zu sein Die einzige Abwechslung in diesem Teilgebiet war ein ganz intensives Meeresleuchten, so als würden unendlich viele Neonröhren die Wasseroberfläche von unten anstrahlen. So um 10:00h morgens „,Holiday auf See“. Kein Lüftchen regt sich bei strahlend blauem Himmel. Um uns herum Bohrtürme mit ihren Begleitschiffen und einem intensiven Hubschrauber-Flugbetrieb. Die Standpauke an die Mannschaft hat scheinbar gefruchtet. Das Gedümpel der Yacht in der unruhigen See hatte noch keinen Ausfall von Mannschaftsteilen zur Folge. Selbst unter Deck funktionierte unter anderem, auch der Kombüsenbetrieb reibungslos. Träumend, das schöne Wetter genießend, saß ich entspannt im Cockpit, als plötzlich ein übermotorisiertes Schlauchboot angefahren, nein angeschossen kam. Die beiden Insassen wollten wissen woher wir kommen und wohin es gehen sollte. Ich teilte ihnen mit, wir verweilen hier in friedlicher Absicht und warteten auf Wind mit dem Ziel Wick Obwohl wir ca. 2sm von ihren Erdbohrern entfernt waren, meinten sie, es wäre besser einen größeren Abstand zu halten. Keine halbe Stunde später kam ein noch größeres Boot auf uns zugerast mit den gleichen Fragen. Ich wollte ihnen schon meine Friedenspfeife anbieten doch die liegt leider wegen Platzmangel an Bord, zu Hause in der Vitrine. Wer konnte auch vorhersehen, dass sie in diesen Breiten gebraucht würde. Sie ließen uns auch so in Frieden und wünschten noch eine gute Reise.
13. Tag - Freitag - 09.05.2014
05:10h sind die Leinen der „Falado mit dem Schwimmsteg in Wick verbunden. Bei einsetzendem Regen der obligatorische Einlaufdrink mit einer süßen Beigabe aus den Verabschiedungs-beständen in Wewelsfleth. Auf diesem Weg möchte ich mich ganz herzlich für die Verab-schiedung zu unserem Törn in Wewelsfleth und den vielen liebenswerten Präsenten ganz herz-lich bedanken. Von den verschiedenen Köstlichkeiten wurde schon kräftig Gebrauch gemacht. Dann ging es ab in die Kuschelkoje. Nach einem gemeinsamen Frühstück gegen 11:00h folgte ein Stadtrundgang mit Einkäufen für die Speisekammer. Ein Problem war wieder einmal das Brot. Im Angebot gebleichtes Weißbrot, besonders fein gemahlen konstruiert für zahnkranke Schotten. Etwas anderes findet man nicht in den Regalen. Die Seeleute preußischer Abstammung wünschten sich aber gesundes grob gemahlenes Kommissbrot. Mit der Esskultur haben die Briten im Allgemeinen ein Problem. Geräucherter Fisch aus einem Fischladen, besorgt vom Küchenpersonal für die Hauptmahlzeit am Abend, war für Gourmets kein Genuss. Als Trocken oder Stockfisch wäre er bei der Bewertung als mäßig durchgegangen. So gab es nur lange Gesichter am Tisch und hofft nun auf Island, auf wirklich frischem Fisch.
14. Tag - Samstag - 10.05.2014
Punkt 06:00h der Weckdienst ein ME45 Handy, scheuchte den Skipper aus den Federn. Ein frühes Auslaufen war bei akzeptablen Bedingungen geplant Der Blick aus dem Schott in die große weite Welt, Regen und dicker Nebel versperren den Blick wohin ich auch schaute. Der Wetterdienst, mit seinen Vorhersagen aus dem Rechner mit WLAN Verbindung gab mir den Rest, Winde von vorn und das auch noch für die nächsten Tage. An ein Auslaufen nicht zu denken. Der Rückzug in die Koje war das einzig Richtige. Die Mannschaft hat von all dem nichts mitbekommen. Ein gleichmäßiges Schnarchkonzert erfüllte weiterhin das Innere der Yacht. Den Yachthafen hätte die Crew gern früher verlassen, denn die Hafengebühr von 20 Pfund a Tag plus Duschmarken belasten die Bordkasse nicht unerheblich. Vor Jahren war das Liegen hier noch fast gebührenfrei. Spagetti mit selbstgemachter Tomatensoße viel Knoblauch und reichlich Zwiebeln aus der Kombüse zum Abendessen serviert, waren bei dem regnerischem Wetter der Höhepunkt des Tages.
15. Tag - Sonntag - 11.05.2014
Am Frühstücksbüfett wurden Pläne und Wünsche für den heutigen Sonntag geäußert und diskutiert. Drei Ziele standen zur Auswahl: Eine lange Treppe mit 365 Stufen (Whaligoe Steps) in Stein gehauen über die, die Frauen gefangene Heringe, transportierten, Wegstrecke 11km, oder eine Burgruine am Meer (Castle Sinclair Girnigoe), 3,0 km, oder das örtliche Museum. Die Mehrheit entschied sich für die Ruine. Mit Wanderstock, Schirmmütze, Fotoausrüstung und ganz in Rot gekleidet stiefelte die gesamte Bordmannschaft los. 3,0 km sind ja für die Faladocrew kein Problem. Der Ortsausgang lag nach einer guten ½ Stunde Fußweg achteraus. Nun müsste die Ruine ja irgendwie in Sichtweite sein. Doch lange Wege, die scheinbar in die Unendlichkeit führten, schlossen sich 90° abknickenden Wegen an, die kein Deut kürzer waren. Ein Teil der Mannschaft wollte den Servicekräften, die den Vorschlag unterbreitet hatten Manipulation der Kilometerangabe unterstellen, damit ihr Vorschlag Akzeptanz findet. Denn inzwischen lagen schon 2 1/2 Std. Wanderung hinter uns und noch immer keine Festungsruine zu sehen. Erst nach gut 3,5 Std. quälenden Fußmarsches, noch bevor eine Meuterei angezettelt wurde, endlich das ersehnte Ziel vor Augen. Ein direkt am Meer stehender Steinhaufen mit großen Plakaten und Bildern von ihrer Ursprungsform sollte Begeisterung bei den Wandersleuten auslösen. Statt dessen Kritik: "Dafür habe ich die Sohlen meiner neuen Schuhe geopfert, und die Knie und sonstige Gliedmaßen sind ruiniert“. Der Rückweg ging dann über Stock und Stein querfeldein. So konnte der Gesamtausflug auf 5 1/2 Std. begrenzt werden. An Bord kamen dann sofort schmerz-lindernde Cremes aus dem Erste-Hilfe-Kasten zur Linderung der Blessuren zur Anwendung und die Sofas an Bord waren im Nu ausgebucht und belagert. Morgen geht es hinaus auf See. Dort wird die Seeluft die Fußkranken schon wieder in Form bringen damit sie beim nächsten Land-einsatz wieder dabei sein können.
16. Tag - Montag - 12.05.2014
Es wird Zeit, die Anker in Wick zu lichten, bevor die Mannschaft sich an das süße Landleben gewöhnt. Die Seebeine der jungen Aspiranten müssen noch kräftig trainiert werden . Auch sonst haben die Offiziere an Bord alle Hände voll zu tun , den Frischlingen das Bordleben beizubringen. Einkäufe im Supermarkt waren aber noch notwendig, um die Kühlräume für den anstehenden Törn mit frischen Lebensmitteln zu füllen. Stolz stand der Koch mit seinen Helfern an der Pier, die Einkaufswagen bis oben hin gefüllt nur mit Weißbrot eher Weichbrot. Die lapidare Erklärung: „Was anderes gab es nicht. Zum Überleben wird es aber reichen.“ Mit Kreuzkurs ging es dann Richtung Pendland zur berüchtigten Meerenge zwischen Nordschottland und den Orkneys. Das Timing muss stimmen, sonst hat man schlechte Karten. Die Schiffsführung hatte mal wieder Glück. Der mitlaufende Gezeitenstrom setzte genau beim Einlaufen in das Fahrwasser ein, was der der Mannschaft Respekt und Unwohlsein einflößte. Mit über 12 kn Fahrt wie in einem kochendem Hexenkessel mit angsteinflößenden Strudeln durchläuft die Segelyacht diese Engstelle. Einige Sailors bekreuzigten sich aus Dankbarkeit der Hölle noch einmal entgangen zu sein. Es folgte noch ein entspannter Segelnachmittag mit ein paar Regenschauern und viel Sonne.
17. Tag -Dienstag - 13.05.2014
Am frühen Morgen erste Anzeichen von Seekrankheit bei einigen Besatzungsmitgliedern. Der Bordarzt hat den Schwächelnden sofortige Bettruhe von 5 Std. und Enthaltsamkeit beim Essen und Trinken verordnet. Die Rosskur hatte Erfolg, denn es gab danach erst einmal keine Klagen mehr über Unwohlsein. Schwacher Wind von vorn, bringt uns nur mühsam voran. In der Nacht soll er nach den Wetterfröschen südlich drehen. Mal schauen, ob das Märchen vom ange-kündigten Richtungswechsel stimmt. Einige Warmduscher an Bord beklagten sich über die 4°C kühlen Nächte. Meine Frage an sie, ob sie überhaupt auf dem richtigen Schiff angeheuert hätten, denn dieser Kreuzfahrer segelt nicht in tropische Gewässer. Eine Yacht gleichen Namens ist aber auf dem Weg in die Karibik. Sie versicherten der Schiffsführung, ein Irrtum liegt nicht vor. Sie wollten mal schauen, ob eine lange Unterhose Abwehr genug gegen die Kälte bewirkt. Der Tag endete mit einem köstlichem Mal aus der Kombüse.
18. Tag - Mittwoch - 14.05.2014
Der Kaptein hat mal wieder alle Hände voll zu tun. Denn die Mannschaft, nicht mehr aus Krupp-stahl, schwächelt mal wieder. Mit Seekrankheit, Husten und Halsschmerzen ist die Kranken-station auf der „Falado“ gefüllt. So müssen die verbleibenden Gesunden zutörnen und die Wachen der Kranken mit übernehmen. Der Wind aus Süd bringt uns gut voran. Doch der Himmel schickte seine Boten für eine Wetteränderung schon einmal voraus. So wurde das neue Ölzeug das erste Mal probe getragen, und das gemütliche Kaffeesegeln abrupt beendet. Die Kranken bekamen Sonderurlaub für die Segelmanöver an Deck, denn der Wind ließ seine Muskeln ein wenig spielen und steigerte sich auf 8 Beaufort. Für die Grünschnäbel an Bord waren die Wellen und das jaulen des Sturms wie das siebente Weltwunder. Der Speisekammer tat es gut, denn nur die Gesunden verlangten nach einer Mahlzeit, während der Rest mit einem Eimer unter dem Arm in ihre Krankenbetten flüchteten und das letzte aus sich heraus holten.
19. Tag - Donnerstag - 15.05.2014
Der Sturm blieb uns treu und begleitete uns weiterhin bis vor die Haustür in Tórshavn. Der Wind war so heftig, das ein Frachter mehrere Anläufe brauchte um in den Hauptstadthafen der Färöer Inseln zu gelangen. Auch wir mussten mit Segelunterstützung die letzten Kabellängen bewältigen, weil nur mit der Maschine, ein Einlaufen nicht möglich war. Nach dem Einparken am Schwimmsteg ein schnelles gemeinsames Frühstück mit der gesamten Mannschaft und gleich danach ging es mit Vollzeug in die Koje. Die Freude auf ein frisches Bad, wurde schnell getrübt. Die alten Sanitäranlagen hat man einfach abgerissen, während die neuen Anlagen wohl nach der Saison erst in Betrieb genommen werden können. Inzwischen verbreitet die Besatzung im Schiffsinneren eine Aura, dass jegliches Ungeziefer die Flucht ergreift. Es muss also schnell nach einer Lösung geforscht werden. Frischer Fisch auf dem Fischmarkt, direkt nur einen Steinwurf vor dem Liegeplatz der „Falado„ entfernt ,wurde von dem wieder funktionierendem Küchenpersonal zur Hauptmahlzeit am Abend kredenzt.
20. Tag - Freitag - 16.05.2014
Die Nacht war sehr unruhig. Der Regen plätscherte die ganze Zeit aufs Deck und ein heftiger Sturm pfiff in den Wanten in sämtlichen Oktaven. Die Besatzung ist heilfroh, im geschützten Hafen zu liegen und bedankte sich überschwänglich bei der Schiffsführung, den Törnabschnitt von Wick zu den Färöer Inseln mit dem kleinen relativ günstigem Zeitfenster erkannt und genutzt zu haben. Die Türen der Stadtbücherei waren geschlossen, die Straßen wie leergefegt, hätte uns nachdenklich stimmen müssen. Den Weg zum Supermarkt, der nur mühsam zu erreichen ist, hätten wir uns mit dem Wissen, dass für die Fæeringer heute ein Nationalfeiertag ist, ersparen können. Sie feiern den Geburtstag eines alten bedeutsamen dänischen Königs. Da war guter Rat teuer, was kommt heute auf den Tisch. Ein Stoßgebet gen Himmel und das Problem war gelöst. Ein alter Freund, den ich hier 2006 mit seinem Schoner kennengelernt habe, schaukelt seine zahlenden Gäste sowohl am Tag als auch nachts durch die Inselwelt. Mit außergewöhnlicher Fischsuppe verwöhnt er seine Gäste, wobei die meisten wegen Seekrankheit verzichteten. Deshalb landete so manch prallgefüllter Topf mit der edlen Suppe auf der „Falado“. Und heute stand er plötzlich mit zwei riesigen Lachfilets vor dem Segler aus Germany. Nachdem wir das Wiedersehen mit einem Bier begossen hatten, verschwand er auch wieder, mit den Worten: „Ihr seit morgen bei mir an Bord eingeladen zu einer Rundreise auf meinem Schoner als Crewmitglieder". Ich hoffe, dass es morgen so ordentlich brist, und von der Suppe aus Meeres-früchten viel übrig bleibt.
21. Tag - Samstag - 17.05.2014
09:10h verließ die Mannschaft mit Seesack auf den Rücken die „Falado“, um bei meinem Freund Birgir Enni auf seinem Schoner anzuheuern. Ein Großsegler ist genau das Richtige, um der Crew für die anstehenden Törns den letzten Schliff zu geben. Der Schoner hatte den Hafen noch nicht einmal verlassen wurden die ersten seekranken Passagiere gemeldet. Gott sei Dank, keiner von der eigenen Mannschaft. Beeindruckend sind die massiven Blöcke, durch die das dicke Tauwerk mit Manneskraft gezogen wird. Nichts für Schreibtischtäter. Mit Vollzeug war es eine neue Er-fahrung, die andere Art des Segelns kennenzulernen. Auch auf einem Großsegler kommt man sich näher. Es stellte sich heraus, das auch Deutsche unter den Passagieren waren. Ein Berliner Paar, sie mit ihrem Partner und ihrer Mutter, haben sich kürzlich ein Haus auf den Farøer Inseln gekauft und uns nach der Schiffsreise in ihrem VW Bus eine dreiviertel Stunde in einen sehr abgelegenen Winkel bis zur Insel Eysturoy entführt. Die Behandlung war vorbildlich und das Essen ein Genuss. Das Haus ziemlich am Rande des Skalafjordur. Ein Platz zum Wohlfüllen und zum entspannen. Die beiden sympathischen Geiselnehmer als auch die Eltern von Anja entließen uns wieder am späten Abend und es ging zurück an Bord bei strömendem Regen. Noch einmal ein Dankeschön für die tolle Abwechslung an die vier Entführer.
22. Tag - Sonntag - 18.05.2014
Die gesamte Mannschaft an Bord der "Falado" schwächelt ein wenig und nun auch noch der Capitano. Halsschmerzen, Heiserkeit, Husten und sonstige kleinere Erkältungen. Das trübt ein wenig die Stimmung. Noch vor dem Aufstehen Besuch vom Tórshavner Freund mit seinem Sohn. Die neue Yacht, eine Bianca 42, des Sprösslings, hat Probleme mit dem Rigg. Die Handwerker bei uns an Bord, erklärten sich sofort bereit zu helfen. Probleme mit der Elektrik wurden nebenbei mit behoben. Kaiserwetter in Tórshavn. Wann gibt es das schon mal. Alles was nicht fest genietet oder verschweißt war, landete an Deck zum auslüften. Selbst die Tórshavner zeigten sich stolz mit kurzen Hosen und Röcken in bester Sommerlaune auf den Straßen und den Cafés. Bei den Erkältungen der Seeleute an Bord, mussten die Kojen schon sehr früh in Beschlag genommen werden.
23. Tag - Montag - 19.05.2014
Noch immer kränkelt die Bordmannschaft auf der „Falado“. Erst gegen 09:00 Uhr erste Anzeichen von Leben auf dem Lazarettschiff. Nachdem alle Betroffenen tröstende Worte füreinander ausgesprochen hatten, wie z.B „Wird schon wieder Alter“, oder: „Jungchen, so ein bisschen Erkältung haut doch einen werdenden Seemann nicht gleich um“ , folgte ein gemeinsames Früh-stück. Danach ging es in die Bücherei mit Internetanschluss. Dort musste noch ein chronisch Kranker, das Wetterprogramm von Bonito, verarztet werden. Mit der neuen Schlüsselnummern über das Mobiltelefon aus dem Haus des Klinikinformatikers erhalten und in den Rechner transplantiert, lief das Wetterprogramm erst einmal wieder. Beim nächsten Internetanbieter könnte das kranke System erneut ärztliche Hilfe brauchen, so die Stimme aus der Praxis. Ein Teil der Crew, dem keine Bettruhe verordnet wurde, machte sich mit dem Bus auf den Weg nach Klaksvik um dort das noch rauere Klima kennenzulernen.
24. Tag - Dienstag - 20.05.2014
07:30h schrillt die Schiffsglocke im Innern des Seglers, Reise Reise, so der Ruf des Kapitäns gleich achter an. Die Anker sollen heute eingeholt werden und es ist noch eine Menge zu erledigen, bevor es losgehen kann. Einkäufe, Wetter checken und seeklar machen. Es wird auch langsam Zeit, denn der „Falado“ wächst langsam ein Bart aus Algen im Wasserpassbereich. Starke Strömung gegen an und Rasmus kam nicht so recht zum Zug, wegen der Landabdeckung, lässt uns anfangs nur sehr mühselig vorankommen. Nachdem das vulkanisch nackte Felsgebirge ohne Sträucher, Büsche oder Bäume dem Wind keine Abdeckung mehr bieten konnte, pflügte der Segler aus Borsfleth mit über 7 kn Fahrt durch den Nordatlantik. Den gegebenen Umständen nach, hatte der Koch an Bord seine liebe Not, sich selbst auf den Beinen zu halten und nebenbei der Mannschaft etwas auf den Tisch zu bringen. Ein gewisses Unwohlsein konnte an seiner Nasenspitze auch schon abgelesen werden. Schöne Aussichten. Nach den zwei hoch-sommerlichen Tagen in Tórshavn, ist das Thermometer abgestürzt und erreicht nur noch 3° C.
25. Tag - Mittwoch - 21.05.2014
Die warme Expeditionskleidung musste aus der Seekiste ausgegraben werden, damit der Body nicht zur Eissäule erstarrt. Der eisige Wind wühlt sich besonders nachts durch die kleinste Ritze der Offshore Anzüge und lässt einem spüren, das der jetzige Ort nicht die Tropen sind. Und dann auch noch eine Krankmeldung nach der Anderen. Nach dem gemeinsamen Abendessen stand wie abgesprochen fast die ganze Mannschaft an der Reling und stöhnte sich die Seele aus dem Leib. Der alte Schiffsführer musste mal wieder alles geben und den Segler auf Kurs halten. Das Rentnerleben hatte er sich eigentlich anders vorgestellt. Wer hat diese Mannschaft nur angeheuert? Den ganzen Tag schaukelt die „Falado“ dem Ziel ein Stückchen näher. Die Einkäufe in Tórshavn hätte man sich sparen können. Der Proviantbestand bleibt nahezu gleichbleibend. Keine Nachfrage nach Köstlichkeiten. Der Skipper hat kaum Zeit, weil er all die anderen Gewerke der Bettlieger mit übernehmen muss, und die Kranken verweigern die Aufnahme von fester Nahrung. Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist sch…
26. Tag - Donnerstag - 22.05.2014
Das gute Etmal von 132 sm, das sind die zurückgelegten Seemeilen von 24:00h bis zum nächsten Tag ebenfalls 24:00h, wird sich nicht wiederholen lassen. Gegen 11:00h mussten die Segel geborgen werden, kein Hauch von Wind, weit und breit und der Capitano steht seit zwei Tagen auf der Brücke ohne Schlaf. Die Bordmannschaft liegt ihre Seekrankheit in der Koje aus. Doch irgendwann muss ein jeder mal aufs Töpfchen. Diese Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen, und fragte den leidig wirkenden, ob ich nicht mit Penaten Creme und Puder anrücken muss, denn wer so lange ununterbrochen gelegen hat bekommt Wundfieber, verursacht von dem durchgelegenen Rücken und Po, und das sei schlimmer als Seekrankheit. Dies muss sich sofort herumgesprochen haben, denn keine 15 Minuten später trat die gesamte Mannschaft ihren Dienst an. Der Käpten ließ sich von den Servicekräften erst einmal verwöhnen und nahm dann eine ordentliche Mütze voll Schlaf. Der Tag endete, wie er begonnen hat, mit wenig Wind aus Süd.
27. Tag - Freitag - 23.05.2014
Sehr früh am Morgen kam ein Vögelchen geflogen, ohne dass es einer Gattung oder einem Herkunftsort zugeordnet werden konnte. Es war erschöpft und wirkte völlig apathisch. Vermutlich von den Eissturmvögeln gejagt, in der Hoffnung, auf eine abwechslungsreiche Mahlzeit. Es kroch unters Sprayhood um sich anscheinend zu wärmen. Man weiß ja nicht, nicht einmal bei Vögeln, sind sie Vegetarier oder Fleischfresser. Jedenfalls wurde die Aufnahme von angebotener Nahrung verweigert.
Es kam wie es kommen musste, diese Odyssee überlebte der kleine Piepmatz nicht. Ein zünftiges Seemannsgrab mit allen Ehren, war das Einzige, was wir ihm noch zuteil werden lassen konnten. Seit gut 24 Stunden dümpelt die „Falado“ in der Flaute. Wir befinden uns im Kern eines Hochdruckgebiets. Auf der Vorderseite hatte es uns den kräftigen Nordwind beschert, nun im Kern die sogenannte Kalmenzone, ohne Wind, wird jetzt auf der Rückseite der Südwind erwartet, wenn das Hochdruckgebiet über uns hinweggezogen ist. So ist die Segelei, die unbequemste Art sich fortzubewegen.
Die „Falado“ ist scheinbar eine Oase für Zugvögel geworden. Weitere Artgenossen ließen sich an Bord nieder und waren zum Teil so zutraulich, dass sie sich auf den Arm setzten und aus dem extra gefertigten Trinkgefäß Gebrauch machten. Nach einer Erholungsphase ging ihre Flugreise wortlos weiter.
28. Tag - Samstag - 24.05.2014
Der Wind aus Süd kam anfangs sehr zaghaft, frischte aber bald auf, so dass die Reise endlich fortgesetzt werden konnte. Einige Segelmanöver waren erforderlich. Die Fock wurde eingeholt, das Großsegel geborgen weil die Genua sich behindert fühlte und wild um sich schlug. Dafür wurde sie dann ausgebaumt. All das ging auf Kosten von Schlafentzug der Schiffsführung. Einsetzender Regen mit dichtem Nebel machte uns das Leben nicht gerade leichter. Gespenstisch tauchten die Vorboten der Vestmannaeyjar Inseln Elliðaey und Bjarnarey aus dem Nichts vor uns auf. Bei einer Höhe von ca. 600 m und einem Abstand von knapp einer Seemeile mussten wir bei der Unsichtigkeit und Windstärke 6 zwischen ihnen durch. Die Seekrankheit einiger Besatzungsmitglieder macht mir inzwischen reichlich Sorgen. Sie hört nach Tagen nicht auf und verschlimmerte sich noch. Alles zu lasten der anderen Wachgänger. Seit 13:10h liegen wir fest in Heimaey am Schlengel. Ein paar schnelle vitaminreiche Einkäufe waren die erste Pflichtübung an Land. Die Mannschaft braucht Aufbaunahrung, damit die verlorenen Pfunde wieder zurückkehren. Um22:30 Uhr war Zapfenstreich, Der Schlafentzug muss nachgeholt werden.
29. Tag - Sonntag - 25.05.2014
Gut erholt und voller Tatendrang wurden die Zampel der Crew mit geruchsintensiver Wäsche beladen und zusätzlich mit Chemikalien, die verhindern sollen, selbst nicht zum Biotop zu verkommen. Dann ging es forschen Schrittes in die örtliche Badeanstalt. Mit Ruffellbrett und grüner Seife wurde dem Mief zu Leibe gerückt. Dann war die ganze Mannschaft an der Reihe. Der Einweichgang unter der Dusche, der Anfang. Mit der Vorwäsche bei 38° - 40°C ging es weiter. Dann der Hauptwaschgang bei 40°- 42°C im Hotspot und die Weichspülung endete im Dampfbad. Die Trocknung erfolgte manuell. Nun schiebt die Mannschaft einen angenehmen Duft, wie eine Bugwelle vor sich her. Kein Insulaner wechselt mehr die Straßenseite, wenn die Crew der „Falado“ Ausgang hat. Das schlechte Gewissen des Kochs und der Stuarts, mit ihrer langen Listen der Krankmeldungen, führten wahrscheinlich dazu ein Gourmet - Essen zu zelebrieren, bestehend aus Jakobsmuscheln und weiteren leckeren Überraschungen. Die zur Trocknung aufgehängten Wäschestücke im Salon, lassen den Eindruck entstehen, hier müssen die Hotten-totten Einzug gehalten haben. Seit unserer Ankunft erleben wir hier aber ein Hundewetter mit Sturm und Dauerregen und andere Optionen die Sachen wieder in schrankfähigem Zustand zu versetzen, gibt es leider nicht.
Für die erhaltenen E-Mails möchte ich mich von hier aus ganz herzlich bedanken. Es ist jedes Mal eine besondere Freude, aus der Heimat Neuigkeiten zu erfahren. Leider ist es mir aber nicht möglich, sie zu beantworten. Deshalb noch mal pauschal an Alle ein herzliches Dankeschön.
30. Tag - Montag - 26.05.2014
Heute beim Wettercheck in der Touristenstation direkt am Hafen, traf ich auch das inzwischen sehr bekannte Ehepaar der Firma. Die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten war sehr groß. Seit mehreren Jahrzehnten führen sie das Geschäft mit Bus – Bootsfahrten und Sightseeing sowie Touristenberatung. Zum fünften Mal bin ich jetzt schon zu Gast bei ihnen. Ihre 5 Kinder, alle erwachsen, sind zum Teil als Bus- oder Schiffsführer mit in der Firma tätig. Ein Teil der Mann-schaft hat sich die Insel Heimaey mit einem fahrendem Untersatz angesehen und sich die spannende Geschichte des Eilands erklären lassen. Am Abend ist der Bordfotograf auf Jagd nach den Papageientauchern. Sie kehren so gegen 21:00 Uhr von ihrem Seeausflug zurück in ihre Tunnelnester. Mit einem Nikon-Kanonenrohr von 400mm Brennweite und einer Nikon D4 Abschussrampe versuchte er die possierlichen Kamikaze Flieger digital optimal zu treffen. Der Schönwetterkoch hat sein Können im ruhigen Hafen einmal mehr unter Beweis gestellt. Für Schietwetter muss aber noch nach einer Lösung gesucht werden, damit die Mannschaft bei jedem Wetter versorgt wird.
31. Tag - Dienstag - 27.05.2014
Gegen 10:00 Uhr heißt es Abschied nehmen von den beiden sympathischen und immer hilfsbereiten Freunden aus der Touristeninformation und gleich darauf werden auch schon die Leinen an Land gekappt, denn es geht weiter in Richtung Hauptstadt, Reykjavik. Bei dem schwachen Wind von 2-3 Beaufort kommt der Blister zum Einsatz. Meile für Meile zieht er uns sanft, ohne Geschaukel durchs fischreiche Atlantikwasser.
32. Tag - Mittwoch - 28.05.2014
Der auffrischende Wind bescherte den Seglern mit der nicht mehr jungfräulichen kuttergetakelten „Falado“, Geburtsjahr 1980, doch noch eine schnelle Reise.10:50 Uhr, so laut Logbuch, Leinen fest im neuen Gästehafen in Reykjavik. Mit Dusche, WC, Wachmaschine Trockner und W-LAN Möglichkeit. Alles Dinge, die im zivilisierten Alltag selbstverständlich sind. Nach nur einem Monat Bordalltag wurde das Angebot von der Mannschaft in diesen Breiten als purer Luxus empfunden. Ohne Scham machten alle Seeleute an Bord Gebrauch davon. Alles was bisher an Kleidungsstücken Bettwäsche nicht in ein Handwaschbecken passte, erhielt nun in der Wasch-maschine eine Frischzellenkur. Bei unserem ersten Inspektionsrundgang durch den Hafen, trafen wir im Museumshafen ein amerikanisches Ehepaar an Bord ihrer Yacht. Sie sind über Kanada, Neufundland, Süd-Grönland bis nach Reykjavik gesegelt. Hier haben sie im Museumshafen überwintert und leben von bezahlten Präsentationen wie Bild und Reisevideos. Es scheint nicht besonders gut zu funktionieren. Ihre Yacht hält sich scheinbar nur von der einst guten Substanz über Wasser. Sie befindet sich in einem sehr bedenklichen Zustand. Die Beiden netten Lang-fahrtsegler sind aber frohen Mutes, dass es so weitergehen kann.
33. Tag - Donnerstag - 29.05.2014
Mit der Tages und Nachtzeit gibt es Probleme. Eine Orientierung an der Helligkeit bzw. Dunkelheit ist schon lange nicht mehr möglich. Wenn es heißt, heute geht es früher in die Koje und gleichzeitig mal einen Blick auf den Zeitnehmer wirft, ist der Tag in der Regel schon lange Geschichte. Dunkelheit ist in diesen Breiten um diese Jahreszeit kein Thema. Auf See taucht die Sonne in den Atlantik ab, wenn die meisten schaffenden Menschen schon längst in der Waagerechten liegen und selig träumen, um bald darauf etwas weiter östlich schon wieder aus dem Meer aufzusteigen. Es heißt ja, dem Glücklichen schlägt keine Stunde. Und so leben wir hier zurzeit und warten auf ein günstiges Zeitfenster für den großen Schlag nach Grönland. Heute ging es geschlossen, nach der Stadtbesichtigung, in eine Restaurantbude am Hafen zum alten Fischermann der uns 2006 schon mit seiner köstlichen Fischsuppe verwöhnt hat. Seine ebenfalls betagten Kumpels aus der Fischerei, unterstützten ihn, so gut es ging. Seine heute nun deutlich jüngeren Angestellten, bedauerten, dass er nicht vor Ort sein könne. Er liegt, wie sie uns erklärten zurzeit im Krankenhaus. Die Fischsuppe, nach seinem alten Rezept gefertigt, hat sich die Mannschaft trotzdem gut schmecken lassen.
34. Tag - Freitag - 30.05.2014
Die Hälfte der Crew musste heute Morgen deutlich früher aus den Federn, als sonst. Die Golden Circle Tour zu dem Wasserfällen, Geysiren und weiteren Highlights standen auf dem Programm. Geschlossen sollten sie am verabredeten Punkt vom Shuttle Bus abgeholt werden, der sie zum Flugplatz bringen sollte. Wer nicht kam war der Zubringerbus. Auf Schusters rappen ging es dann im Schweinsgalopp mit der zentnerschweren Fotoausrüstung auf dem Buckel zu dem ca. 3 km entfernten Flugplatz, Sammelstelle von Start und Ziel der Reise. Der Bus hatte sich aber schon auf den Weg gemacht ohne die abgestrampelten Langstreckenläufer. Das Reisebüro musste die aufgebrachten Wikinger erst einmal beruhigen und vermittelte eine Alternativtour. Einige Stunden später saßen die Hitzköpfe im vierrädrigen Gefährt, das sie dann doch noch zu den Sehenswürdigkeiten kutschierte, wobei sie sich langsam wieder abkühlten. Der Rest der Mannschaft hatte Hafenwache und vertrieb sich die Zeit mit Überholungs - und Wartungsarbeiten an Bord.
35. Tag - Samstag - 31.05.2014
Regen und sehr stürmisches Wetter machen zusammen wenig Lust aufzustehen. Doch der knurrende Magen regelt den halbwegs normalen Tagesablauf doch noch. Maritime Musik aus der Ferne und bis über die toppen geflaggte Großschiffe machen natürlich neugierig. Es ist der Tag der Fischer, der hier auf Island einen besonderen Stellenwert hat. Bunt geschmückt die Hafenszene mit vielen Ständen und Häppchen zum probieren für den kleinen Hunger. Matjes, Wahlfischfleisch und andere Fischsorten wurden von Seeleuten der „Falado“ verkostet. Selbst zurück in der Marina war feierlicher Betrieb zu dem wir eingeladen wurden. Es gab gebackene Waffeln mit Bier angerührt, aber dafür alkoholfreie Getränke. Eine Regatta von vier Yachten segelten die Plätze unter sich aus. Mit einem Niederländer, der in Reykjavik der Liebe wegen gestrandet ist, haben wir uns sehr lange unterhalten. Die Krise der Isländer, so seine Ausführungen, ist noch lange nicht überstanden. Arbeitslosigkeit und hohe Preise bestimmen den Alltag. Das Gefälle zwischen Arm und Reich nimmt auch hier dramatische Züge an. Die Verteuerung der Lebenshaltungskosten spüren auch wir täglich. Die Bordkasse lässt sich gar nicht so schnell nachfüllen wie sie sich durch die täglichen Ausgaben entleert. Hafengebühren von über 25 Euro pro Tag, Brot ca. 4-5 Euro zwingen die Mannschaft zu drastischen Sparmaßnahmen. Diskutiert werden schon Alternativen wie z.B. mit Bettelbüchsen und salzverkrusteter Kleidung sich an verschiedenen Hausecken aufzustellen und Mitleid bei Oligarchen zu finden.
36. Tag - Sonntag - 01.06.2014
Auch heute typisches Islandwetter. Ein dicker Tiefausläufer über Island bestimmt das Straßenbild der Insulaner mit dicker Regenkleidung. Sie werden nicht gerade mit Sonne verwöhnt ignorieren aber einfach die Wassermengen die von oben herabstürzen. Das Fischerei Wochenende wird gefeiert und alle wollen dabei sein. Die Straßen zu den Häfen hoffnungslos mit Droschken verstopft. Und die Mannschaft der Falado mischte sich mit unters Volk das zu Feiern aufgelegt ist. Durchgefüttert an Ständen mit Hotdogs und Fischhäppchens, die jedem großzügig gereicht wurden, ging es in die zum Teil freigegebene Musik und Konferenzhalle direkt vor unserem Liegeplatz. Die aufwendige Konstruktion mit den wabenförmig angeordneten Scheiben zum Teil auch farbig und den unzähligen Spiegeln an der Decke ist sie wirklich beeindruckend. Zurück an Bord konnte die Abendmahlzeit wegen der spendablen Reykjaviker ausfallen.
37. Tag - Montag - 02.06.2014
Die Zeit in Reykjavik geht zu Ende. Vorbereitungen für den großen Schlag nach Grönland werden getroffen. Es sind bis zum nächsten Landfall über 1300 sm gleich 2400 km. 12 bis 14 Tage rechnet die Schiffsführung bis zum nächsten Landfall. Entsprechend umfangreich müssen die Vorratskammern aufgefüllt werden. Vom Moses bis zum Capitano wurden die mit Lebensmittel beladenen und angeschleppten Paletten nach und nach an Bord gebracht und seefest verstaut. Das Rigg einer gründlichen Inspektion unterzogen und alle Teile an Bord kritisch betrachtet. Eine Grundreinigung im Schiffsinnern war danach unumgänglich. Der Koch mit seinem Gefolge hat nach langer endloser Sucherei ein Fischgeschäft ausfindig gemacht mit frischem Dorschfilet, zum Stückpreis von umgerechnet über 11 Euro. Das allein ist schon Grund genug, der Hauptstadt von Island das Heckwasser zu zeigen.
38. Tag - Dienstag - 03.06.2014
Die Mannschaft hat ihre athletisch gestählten Bodys noch einmal in der Waschanlage richtig entkrustet. Wann hierzu die nächste Möglichkeit gegeben ist, ist aus dem vorhandenen Routen-plan nicht ersichtlich. Alle Stores und Tanks sind bis auf den Diesel Tieftank zum überlaufen gefüllt. Die angesteuerte Wassertankstelle defekt. Ein Handwerker aus der Fischverarbeitung half uns, und bestellte einen Tanklastzug. Zu einem Preis von umgerechnet einen Euro a Liter, wurde auch der Brennstofftank auf sein maximales Niveau befüllt. Dann ging die Reise bei 1-2 Beaufort Kurs W-SW 247° Großkreispeilung langsam los. Der Wind legte später etwas zu auf knapp 3 Windstärken. Das reichte einigen Akteuren an Bord schon, ihre Gesichtshautfarbe wie ein Chamäleon innerhalb kürzester Zeit mehrmals zu ändern. Durch die daraus resultierende Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Übelkeit und nur noch kojentauglich, halbierte sich der für die Brücke einsetzbare Mannschaftsanteil schon zu Beginn der Reise.
39. Tag - Mittwoch - 04.06.2014
Die Wachhabenden auf dem Segler hatten in der Nacht gut zu tun. Der Wind mal von hier, mal von da und die Windstärke mal mehr und mal weniger. Großsegel setzen und wieder bergen. Die Genua ausgebaumt, mal auf der Stb., mal auf der Bb. Seite. Und die Neueinsteiger an Bord wissen mit ihrer Kraft nicht wohin und so ein klein bisschen Kirmes Geschaukel legt sie gleich flach. Die hätten erst einmal Male ums Kap Horn segeln müssen um richtige Seebeine zu bekommen, bevor sie auf der „Falado“ anheuern. Nun muss der Skipper selbst mit der Bratpfanne an der Reling stehen und darauf hoffen, dass ein Außenbordkamerad sich dort hinein verirrt. Zurzeit laufen wir mit achterlichem Wind und hoher Dünung. Die Schiffsbewegungen ersparen einem das umrühren in den Töpfen, sozusagen Automatikbetrieb.
40. Tag - Donnerstag - 05.06.2014
Die Einen 48 Std. Wachdienst am Ruder, die Anderen 48 Std. Bettruhe wegen Seekrankheit. So sind die Rollen an Bord zurzeit mal wieder verteilt. Erste Gehversuche mit Krückstock und Sicherheitsgurt werden von den Aspiranten unternommen. Um den Kühlschrank machen sie möglichst einen großen Bogen, um ja nicht in Versuchung zu geraten. denn die Happen rutschen schneller wieder hoch als runter. So schippert der Skipper mit der „Falado“ mal wieder als Einhandsegler über den Nordatlantik bei herrlichem sonnigen Hochdruckwetter und 2400 Meter Wassertiefe, Wind aus NE Stärke 3, den Blister gesetzt, von Paulinchen der treuen Seele wird der Kurs gehalten und Capitano liegt in der Hängematte managt und genießt den herrlichen Segeltag, von hier aus.
41. Tag - Freitag - 06.06.2014
Mit einer Eingliederungsmaßnahme werden die chronisch Kranken stundenweise wieder an den Wachdienst herangeführt. So kann sich die Schiffsführung auch mal für ein paar Minuten aufs Ohr hauen. Meistens wird man auch dabei noch gestört, „Kaptein der Wind hat gedreht, was soll ich machen?“, oder, „Mir geht es wieder nicht gut, dass schaukelt so.“ Ja mit Computern elektronischen Seekarten und un.. u.... all den modernen Kram können die jungen Fahrensleute umgehen. Wenn ich dann frage: „Was macht ihr, wenn der Elektromüll mal ausfällt?“, kommt die Antwort: „Das wäre große Schei...“ Ich mag mir nicht ausmahlen, was wäre wenn, z.B. nicht Windstärken 3 sondern 8-10 Beaufort uns durchschaukeln würden. Im Moment wird die Wind-jammerbesatzung weiterhin mit Hochdruckwetter, viel Sonne und relativ ruhiger See, beim Bergfest zwischen Island und Grönland, verwöhnt.
42. Tag - Samstag - 07.06.2014
Der Atlantik ein riesiger Ententeich. Leicht wiegte die „Falado“ im Rhythmus der langgezogenen Dünung die ganze Nacht dahin. Gegen acht Uhr morgens ein leichtes Kräuseln der Wasseroberfläche. Das Leichtwettersegel kommt zum Einsatz und erlöst uns aus der Umklammerung der Flaute. Die wieder Eingliederungsmaßnahme der
Kranken zeigt Erfolg. Deutlich spürbare Entlastung bei den Ruderwachen. Wie aus heiterem Himmel landet mitten auf dem Atlantik erneut ein Piepmatz an Deck. Erkundete zunächst das Vorschiff und eroberte dann das Cockpit. Er sah etwas mitgenommen aus verfiel in eine leichte starre Haltung. Erste Hilfe war unbedingt von Nöten. Was hat Hein Seemann bei so einer Notlage für Möglichkeiten. Unser aufgehobener Wassernapf, noch von der letzten Aktion, wurde sofort dankbar angenommen. Das zerzauste Federkleid, fröstelndes Klappern und der lange Schnabel deuteten an, auch für einen nicht Ornithologen muss der Stoffwechsel angeregt werden. Die Eigeninitiative war zunächst, dass alle Ritzen an Bord nach Insekten abgesucht wurden. Dann war meine Wenigkeit an der Reihe. Immer zutraulicher, wurde ich dann von dem Gast nach Ungeziefer abgesucht. Strümpfe, Schuhe, Kleidung. Nun musste der entlauste Skipper tätig werden, aber wie. Ein Blick in den Kühlschrank und eine Lösung des Problems in Sicht. Ein Stück Schinken wurde geopfert, schnabelgerecht verkleinert und im Wasser weitestgehend vom Salz befreit.
Wie ein Raubtier stürzte dieser kleine Vogel, ohne bekannte Nationalität, auf die Schnabelgerechten Fleischbrocken. Verstärkung aus Reihen der Mannschaft war nötig, um den endlosen Hunger zu stillen. Ein Zittern des kleinen Gastes konnte auch Abhilfe geschaffen werden, indem er in der Hand die Wohlfühltemperatur erhielt. Als Dank setzte er überall seine Häufchen, so dass ein Besatzungsmitglied dafür abgestellt war, seine Hinterlassenschaften zu beseitigen. Nachdem er keine Anstalten machte sein Paradies wieder zu verlassen, mussten wir uns etwas einfallen lassen, um die Mannschaft für andere Aufgaben frei zu bekommen. Ein Eimer schön ausgepolstert mit Trinknapf und natürlich leckerem Schinken wird zunächst sein Zuhause sein. Bei guter Führung bekommt er täglich Ausgang im Cockpit und wenn nötig, eine Hand voll Wärme.
43. Tag - Sonntag - 08.06.2014
An Bord herrscht Trauer. Das kleine zerzauste Vögelchen am Vortag bei uns an Deck gelandet ist durch einen Unfall ums Leben gekommen. Inzwischen war er zum Liebling der ganzen Besatzung geworden. Jeder kümmerte sich rührend um ihn. Das gereichte Futter und das war nicht wenig, nahm er gierig auf. Sein Zustand verbesserte sich von Minute zu Minute. Voller Vertrauen kam er sofort angeflitzt und genoss es in den warmen Händen zu verweilen. Die Nacht hatte er in seinem Verlies gut verbracht und taute den Tag über bei zunehmender Sonnenbestrahlung immer mehr auf. Der Cockpitboden war sein Spielplatz. Die Kleidung der Mannschaft und jede Ritze in seinem Revier wurden noch einmal gründlich nach Parasiten abgesucht. Das Fliegen schien er verlernt zu haben, denn mehrere Versuche die Sitzbänke im Cockpit fliegend zu erreichen scheiterten kläglich. Deswegen wurden berechtigte Fragen laut, wer hat dieses Findelvögelchen bei uns abgelegt. Für Grönland oder den anderen nordischen Ländern schien der im Aussehen etwas kugelförmige Sonderling mit dem langen Schnabel, nicht geeignet zu sein. Er fühlte sich an Bord sichtlich wohl und war inzwischen voll integriertes Mannschaftsmitglied und suchte ständig unsere Nähe. Es wurden Pläne erarbeitet, wie wir ihn mit nach Deutschland bekommen. Gegen Abend, die hohe Dünung und das rollen der Yacht machten es einem nicht leicht, sein Gleichgewicht zu halten Bei einem anstehendem Segelmanöver passierte es dann. Ein Schritt auf der Sitzbank zurück, um das Gleichgewicht zu halten besiegelte das Leben unseres kleinen Freundes, der unbemerkt fliegerisch diese Ebene doch noch erklommen hatte. Flaggen auf Halbmast und mit einer zünftigen Seebestattung nahmen wir Abschied wobei viele Fragen offen blieben. Das Bordleben geht aber normal weiter. Seit Tagen ist der Blister, die Geheimwaffe gegen die flauen Winde, im Einsatz. Und trotzdem musste er schon unzählige Male geborgen werden weil der Wind sich bis auf null Beaufort reduzierte.
44. Tag - Montag - 09.06.2014
Nach gut vier Tagen sind Schiff und Besatzung aus dem Dornröschenschlaf befreit worden. Die Schwachwind Phase ging heute um 07:00h zu Ende. Der Blister kam zur Erholung in den Sack und die neue schwere Genua, gefertigt bei Segelmacher Bohn Elmshorn, übernahm die Schwerstarbeit. Hoch am Wind, bei 5-6 Beaufort und 7,5 Knoten Fahrt, werden nun die letzten Hundertzwanzig Meilen bis zur Südspitze Grönlands Kap Farvel im gebührenden Abstand, wegen der massiven Eisfelder, angepeilt. Der frische Wind bringt aber nicht nur Vorteile. Gerüchte bestätigten sich, dass bei einigen Neulingen an Bord erneutes Unwohlsein zu beklagen ist. Angeblich seien die Schiffsbewegungen die Ursache. Da muss wohl der Schiffsmechaniker mal Hand anlegen und die Störung des Schaukelns beseitigen. Ansonsten herrscht hier unter der Besatzung immer noch Trauer über den Verlust des kleinen staatenlosen Freundes.
45. Tag - Dienstag - 10.06.2014
Grönland ist noch lange nicht in Sicht, aber schon an der sich immer häufiger zeigenden Gänsehaut ist eine Veränderung der klimatischen Verhältnisse spürbar. Über die bisherigen Pellklamotten musste noch eine Lage nachgelegt werden, und in der Koje dauert es immer länger bevor die Einschlaftemperatur erreicht wird. Der Himmel grau trotz Hochdruckwetter bei 1026 hPa (hecto-pascal mit steigender Tendenz. Der Mechaniker nahm heute die elektronisch wie mechanisch gesteuerten Schiffsstabilisatoren unter die Lupe. Eine Störung, die das Schaukeln verhindert, konnte nicht festgestellt werden.. Die Unbefahrenen Neulinge stecken nicht gerade voller Tatendrang liegen mehr in der Koje als das man sie vertikal erlebt. Dadurch wird die Speisekammer mächtig geschont. Außer ein dünnes Süppchen aus der Schnabeltasse, dazu trockenes Brot, sind sie sehr genügsam. Der Ozean scheint mit schwimmenden Objekten wie leergefegt zu sein. Seit Reykjavik wurden keine weiteren Schiffsbewegungen mehr registriert, sehr entspannend.
46. Tag - Mittwoch 11.06.2014
Kap Farvel, das Kap Horn des Nordens, macht seinen Namen mal wieder alle Ehre. Gerade süd-östlich angekommen, beschert es uns gleich einen zünftigen Empfang. Graue tiefhängende Wolken mit Wind in Sturmstärke und schäumend bedrohliche Wellen bis zu 5 Metern Höhe flößen den Aspiranten an Bord mächtig Respekt ein. Solche Wellen hätten sie noch nie gesehen. Auf den Baggerseen in Thüringen, kräuselt sich das Wasser ja höchstens mal und wer dann mit einem Bötchen unterwegs ist sieht zu, dass er ganz schnell wieder an Land kommt. Bei solcher Wetterlage wie z. Z., wird gern auch mal im Salon zu den Mahlzeiten auf eine weiße Tischdecke mit Porzellangeschirr und Kristallgläsern verzichtet. Stattdessen haben sich tiefe Schüsseln und große Trinkgefäße bestens bewehrt. Schwierig ist die Aufnahme von Flüssigkeiten aus einem Becher. Hat man das Gefäß gerade zum Trinken angesetzt, ist auf der Mundseite plötzlich Ebbe, weil das Schiff gerade zu der anderen Seite übergeholt hat. Das Neigen des Bechers in Richtung Mundöffnung bei gleichzeitigem unerwarteten Überholen der Yacht auf die andere Seite, erhöht sich der Flüssigkeitsstand auf der Entnahmeseite zu einem Hochwasser so plötzlich, dass der Ganze auslaufende Inhalt vom Schlund nicht aufgenommen werden kann, die Mundhöhle überläuft, zum Leidwesen des Betroffenen und zur Erheiterung der Anderen.
47. Tag - Donnerstag - 12.06.2014
Mit einem Radius von 80 Seemeilen wurde das Kap Farvel aus Sicherheitsgründen gerundet. Nun befinden wir uns auf Kurs N-NW. Die Eisfelder wurden Gott sei Dank in der Nacht bei dem Sturm nicht gesichtet, und auch die gefährlichen Growler haben sich noch nicht gezeigt. Der Empfang nach so einer langen Anreise hätte ja auch etwas feierlicher ausfallen können mit sonnigen und zweistelligen Temperaturen. Stattdessen, Regen, Sturm und das unsichtige Wetter verhüllt wie ein Schleier die Geheimnisse der großen Insel. Ein Dauerproblem an Bord sind die Seekranken Kadetten. Seit neun Tagen, der Abreise aus Reykjavik, beherrscht die Krankheit den Tagesablauf und um die Fehlstunden zusammenzurechnen müsste man die Personalabteilung aufstocken. Der Figur der jungen Männer hat es gut getan, denn die Schwabbelbäuche sind weg. Nun jammern sie herum, dass sie sich für viel Geld neu einkleiden müssen. Die Heuer allein reicht dafür wohl nicht aus. Dafür gibt es ja die Sparkassen, die haben für alles eine Lösung.
48. Tag - Freitag - 13.06.2014
Nur mühsam ist der erste angepeilte Ort Frederikshåb (Paamiut) zu erreichen. Winde aus Norden zwingen uns aufzukreuzen. Nach so langer Zeit auf See und der Landfall in weiter Ferne, gehen die Frischvorräte zu Neige. Deshalb müssen der Besatzung die Lebensmittel rationiert werden, bestehend aus verschimmeltem Brot, brackigem Wasser, Salzheringen und Pökelfleisch dazu benetzte Lippen mit etwas Rum für den Erhalt der Moral. Für Abwechslung von der Misere sorgte eine Schule kleiner Wale zum Teil mit ihrem Nachwuchs, die uns sehr lange begleitet haben und in der Ferne konnten ihre deutlich größeren Artgenossen mit der unverwechselbaren Wasser-fontäne beobachten werden. Der Versuch am Nachmittag den Nothafen Nanortalik anzulaufen wegen der schlechten Versorgungslage und der ungünstigen Winde, musste abgebrochen werden, weil massive Eisfelder den Weg versperrten. Nun wird weiter Richtung Norden mit Skorbut, dichtem Nebel, Regen Wind und Wellen und 3°C aufgekreuzt.
49. Tag - Samstag - 14.06.2014
Auch in der letzten Nacht sind wir unserem Ziel nicht bedeutend näher gekommen. Gegen morgen eine Kurskorrektur der Wind nun aus Ost, dafür aber sehr schwach und der Nebel lässt keinen Blick auf die vorbei segelnden Eisgiganten zu. Das Radar arbeitet gut und zeigt rechtzeitig an, wenn diese Wegelagerer ohne Positionslampen und ohne Nebelhörner uns den Weg versperren. Am Spätnachmittag ein Prusten und Schnaufen um uns herum. Ca. 40 Grind oder Schweinswale machten so auf sich aufmerksam. Gut eine Stunde vertrieben sie der ganzen Mannschaft die Zeit, die mit Film und Fotogeräten an der Reling stehend, ihre Späße im Wasser dokumentierten. Dann Großalarm. Ein riesiges Eisfeld auf dem Radarbildschirm. Das bedeutet, alle Mann an Deck. Es ist immer wieder ein faszinierendes Erlebnis, die bizarren Formen und Gebilde von der Natur geschaffen, zu bestaunen. Leider sind sie sehr gefährlich und dulden keine Berührungen, denn das könnte für Schiff und Besatzung verhängnisvoll sein. Seit langem mal wieder ein gemeinsames Essen der gesamten Besatzung in der Messe. Der Mannschaftsteil fast schon eher Passagier haben sich zurückgemeldet und ihre Diätkur unterbrochen.
50. Tag - Sonntag - 15.06.2014
Der Tag war keine 5 Stunden alt, erneut Eisalarm. Der Kaptein in seiner Koje hatte die richtige Bettwärme noch nicht erreicht, stürzte auf die Brücke und zog auf den Weg dorthin seine Pell-klamotten an. Ein schneller Blick auf den Monitor der Radaranlage. Unübersehbar lag ein ausgedehntes Eisfeld vor uns. Kommandos an die Besatzung wurden erteilt. Segel bergen, Maschine starten Ausguck verstärken. In den Stunden darauf folgte eine Slalomfahrt zwischen massivem Eis und dicksten Nebel. Am Ende waren alle Mann an Bord heil froh, dass es geschafft war und kein Eisklotz beschädigt wurde. Und immer noch liegen über 55 Seemeilen bis zu unserem Zielort vor uns und denn kein Wind. Nach 13 Tagen auf See mit eingeschränkter Ver-sorgung ist das Bedürfnis einmal richtig durchzuschlafen, vorhanden. Deshalb musste der Eiserne Gustav acht Stunden den fehlenden Wind ersetzen um den Hafen in Frederikshåb (Paamiut) zu erreichen. Der dicke Nebel, seit Tagen aktiv, erschwerte uns den Zugang mit den vorgelagerten Rockies, erheblich. Beim erster Rundgang im Hafenbereich die Begegnung mit einem Fischermann der seinen Tagesfang in einem Bollerwagen hinter sich herzog. Ich bestaunte seinen großen Fang, überwiegend Rotbarsche. Ein Lächeln und ein Griff in sein Transportmittel, schon hatte ich augenblicklich später einen von seinen Prachtexemplaren in der Hand und das Abendbrot für die Mannschaft war gesichert.
51. Tag - Montag - 16.06.2014
Nach 13 Tagen auf See endlich eine erholsame Nacht im Hafen. Bis 09:30h wurden die Matratzen belagert. Beim gemeinsamen Frühstück, besprach man Prioritäten für den Tag. Als erstes, muss eine Duschmöglichkeit ausgekundschaftet werden, tönte es wie aus einem Mund und aus jeder Ecke, denn ich kann mich selber nicht mehr riechen. In einem Ort mit 1500 Einwohnern kann nicht davon ausgegangen werden, dass solche Einrichtungen wie Bäder für verirrte Segler vorgehalten werden. In einem Hotel wurden die E-Mails verschickt, aber mehr war hier nicht zu haben. Mit Einkäufen, die den Vitaminmangel beheben, ging es in Richtung Liegeplatz zurück. 200m vor unserem Liegeplatz stand ein LKW mit einem Wassertank Huckepack und beliefert einen Fischladen. Mit Händen und Füßen machten wir auf unsere Situation aufmerksam, das der Wassertank auf der „Falado“ die Schwindsucht hat und ebenfalls befüllt werden müsste. Offensichtlich verstand der etwas Ältere Inuit kein Wort. Wir setzten unseren Weg fort und wurden von dem Wasserwagen überholt. Wortlos zog er seine Schläuche ca. 30m in Richtung unserer schwimmenden Behausung. Wir brauchten nur den Tankstutzen zu öffnen und das flüssige Lebenselixier floss in Strömen in die Tanks. Die Frage, was kostet es, winkte er ab. Nur mit einem warmen Händedruck als Dankeschön konnte ihm ein verschmitztes Lächeln entlockt werden. Wortlos fuhr er gleich darauf davon. Mit Reinigungs - und Inspektions-arbeiten am Schiff vertrieb man sich darauf die Zeit. Dann ein Klopfen an der Bordwand. Ein junger Mann, zuständig für die Wirtschaftsförderung in Paamiut , interessierte sich sehr für uns und unsere Reise. Kurzum, er lud uns zu sich in seine Werkswohnung zu einem kleinen Imbiss ein und Duschen könnten wir auch. Manchmal werden Wünsche war. Mit vielen neuen Informationen endete ein gemütlicher und sehr interessanter Abend, der am nächsten Tag fortgesetzt werden soll.
52. Tag - Dienstag - 17.07.2014
Erneut gibt es Probleme mit unserem Wetterprogramm von der Firma Bonito. In jedem neu bereisten Land ist ein neuer Key nötig, der uns zugestellt werden muss. Bisher wurde dieses Problem telefonisch geregelt. Da die Telefonkosten in Grönland exorbitant hoch sind, wird der aufwendige Weg über das Internet genutzt. Mal schauen wann wir den nächsten Wetterbericht empfangen können. Zur Entspannung ging es mit der ganzen Crew auf Inselrundgang. Über Schneefelder, Berge und neu angelegte Siedlungen verlief der gemeinsame Spaziergang. Bei einem Blick auf das Hafengelände war schon von weitem erkennbar, dass eine weitere große Segelyacht den Hafen belagert. Es ist eine französische Sloop mit 9 zahlenden Gästen, die den gleichen Törn von Reykjavik bis Paamiut zurückgelegt hat. In der Ortsmitte trafen wir aufeinander. Joachim, für die Wirtschaftsförderung zuständig, machte uns miteinander bekannt. Prompt wurde die Mannschaft des deutschen Seglers von dem Eigner der 24m langen Yacht zum Abend hin eingeladen. Geschniegelt und gebügelt und den besten Zwirn aus dem Schrank gezaubert, gaben sich die Seelords aus Old Germany die Ehre an Bord des Franzosen. Im Salon wurde ein Drink zum Empfang gereicht. Auf französischer Art wurde auch an den Hunger gedacht. Eine Vorspeise mit Salat und frischem Brot. Als Hauptspeise Kotelett mit warmen Nudeln und Erbsen. Danach verschiedene Käsesorten aus aller Welt. Interessante Gespräche mit seinen weitgereisten Gästen rundeten den Abend ab. Für Morgen ist ein Gegenbesuch des netten Skippers von der Gran Nation geplant.
53. Tag - Mittwoch - 18.06.2014
Für die inzwischen angehäuften Wäschebeutel hat sich der nette Joachim, ein Mann für alle Fälle erbarmt und sie bei sich in der Waschmaschine versenkt. Ein Däne seit 14 Jahren hier lebend, weckte unsere Aufmerksamkeit an unserem Steg. Er war dabei, seine Netze in seinem Boot zu reparieren. Er spricht Dänisch, Deutsch, Englisch aber so gut wie kein Grönländisch. Ein agiler sehr behände wirkender ergrauter 65 jähriger Mann, hat sich den 14 hier lebenden Seeadler-paaren verschrieben, die er behütet und ständig beobachtet. Nebenbei fährt er LKW und nimmt jede Arbeit an, damit er sich selbst versorgen kann. Im Gegensatz, so seine Ausführungen, zu vielen Jugendlichen, die sich nicht für arbeitsfähig halten und vom Staat aushalten lassen. Die Fischfabriken im Ort beschäftigt deshalb schon Mitarbeiter aus China. Am Abend ein gemein-sames Essen mit Joachim, der uns zu sich in seine Werkswohnung eingeladen hat. Eine befreundete Familie von ihm wollte die Crew aus Deutschland kennenlernen. Auf dem Weg dort-hin machte er vorsichtige Andeutungen, dass es soziale Unterschiede in den Haushalten gäbe. Ich befürchtete schon in eine Wohnung geführt zu werden, wo Robbenfelle Trockenfisch und ähnliches zum Trocknen die Decke verziert. In der kleinen Wohnung lebten eine ältere Eskimo Frau und die Eltern mit ihren vier Kindern. Auf dem nackten abgetragenen Holzfußboden standen einfachste Holzstühle mit einem durchgesessenen Sofa. Die Wände voll mit Bildern der Kinder und Heiligen Bilder. Die Luft im Raum zum Schneiden. Nach kurzer Zeit bekam ich, der an frische Luft gewöhnt ist, schwere Atemnot. Die übermäßig hohe Temperatur, vermischt mit Zigaret-tenrauch und ein zusätzlich stechender Geruch. Es ist anzunehmen, dass die genannten Gegen-stände vorher ausquartiert wurden, wegen der zu erwartenden Gäste.
54. Tag - Donnerstag - 19.06.2014
Heute wird der Ort Paamiut mit den vielen netten Menschen verlassen. Es dauert immer eine gewisse Zeit mit den Insulanern in Kontakt zu treten und akzeptiert zu werden. Anfangs sind sie sehr verhalten, abweisend so als würden wir sie nicht interessieren. Doch schon nach ein zwei Tagen ändert sich ihr Verhalten. Es wird gegrüßt mit einem freundlichen Lächeln, so als würde man zu ihnen gehören. Draußen auf See weht ein schwacher Wind und das auch noch direkt von vorn. An Segeln ist nicht zu denken. Viele Eisberge schippern am Wegesrand vorbei, ohne hinter einer Nebelbank zu verschwinden. Das Meer ist hier wie ein riesiger Garten, mit vielen neuen Überraschungen und Eindrücken die zu bestaunen sind. Am Abend wird der breite langgestreckte bis ins Meer reichende Frederikshåb Isblink Gletscher passiert und die Abendsonne verleiht ihn dabei ein beachtliches glitzerndes Aussehen.
55. Tag - Freitag - 20.06.2014
Absolute Windstille auf See, kam unseren Süßwassermatrosen zugute. Keine Ausfälle wegen Schaukelei. Dafür musste der Diesel einspringen und die Arbeit der Fortbewegung übernehmen. Ein paar Segelstunden waren uns dann am Ende bei hochsommerlichen 15°C Temperaturen doch noch vergönnt. Ideales Flugwetter für die Mücken und Fliegen die Ausgang und ihren Spaß hatten, die eingetroffenen Fremden aus Übersee bei Ankunft in Fiskenæsset überschwänglich zu begrüßen. Auf so einen anzüglichen Empfang könnte man gut verzichten. Internetzugang war in der ortsansässigen Schule möglich, wo die Schuldirektorin uns hin führte. Gleichzeitig wurde der Crew aus Deutschland der Schlüssel für die Duschen, ebenfalls in der Schule vorhanden, übergeben. Morgen wird wie im ganzen Land, die Mittsommernacht und gleichzeitig ist es ein Nationalfeiertag für die Unabhängigkeit. Mal schauen ob die Mannschaft mit ihrem Zwirn in der Menge bestehen kann.
56. Tag - Samstag - 21.06.2014
07:30h ging es raus aus den Federn und gleich mit dem Zampel über der Schulter ins Schulgebäude. Schnell wurde eine körperliche Reinigung vorgenommen und dann in die Ausgehuniform geschlüpft. Beim erscheinen in der Kirche sangen die Fiskenæsser schon aus voller Kehle, Kirchenlieder. Ausnahmslos brachte jeder seine Stimme mit ein, so gut er konnte. Entsprechend war auch die Resonanz. Die Gedenkstätte für die Unabhängigkeit befindet sich auf dem Friedhof. Dort ging es anschließend hin und es wurde weiter gesungen. Dort trafen wir eine Abordnung des Dänischen Parlament, unter Anderem einen Abgeordneten aus dem Kriegsministerium in Uniform. Mit einem kleinen Kriegsschiff sind sie angereist und gaben nach der offiziellen Feier der „Falado“ die Ehre und schauten sie sich an. Inzwischen hatte der Wind aus Süd mächtig aufgedreht und den losen Sand am Kai auf die Yacht befördert. Schnelles Handeln war nötig, um nicht mit einem kompletten gesandstrahltem Schiff ohne Farbe zu Reisen. Die vier 20m langen Leinen, wegen des 4 m hohen Tidenhubs, wurden los geworfen und Nuuk die Hauptstadt als nächstes Ziel angepeilt.
57. Tag - Sonntag - 22.06.2014
Die über 80 Seemeilen bis Nuuk wurden in 26 Std. bei anfangs frischer Brise bis zur absoluten Windstille erreicht. Das hochsommerliche und schweißtreibende Wetter in Grönland, bis zu 16°C, konnte auch heute wieder genossen werden. Der Hafen in Nuuk ist mit vielen kleinen Booten und Berufsschiffen belegt. Für die Yacht Crews ist es ein Spießrutenlauf einen geeigneten Platz zu finden. Als viertes Schiff im Päckchen wurden die Leinen an einem Behördenschiff befestigt. Zwei weitere große Yachten aus England und den USA waren schon vor uns angekommen. Die versnobten Engländer mit ihrer brandneuen Yacht befinden sich auf Jungfernfahrt. Ganz gegensätzlich die Amerikaner, nett und sympathisch. Sie beabsichtigen ebenfalls nach Ilulissat zu segeln und warten auf günstigen Wind, wie die Mannschaft der „Falado“.
58. Tag - Montag - 23.06.2014
Ein neues Problem muss heute in Angriff genommen werden. Die Öldruckanzeige der Maschine macht Probleme. Mit ausgebautem Messwertgeber marschierten die Decksleute der „Falado“ in die nahegelegene Autowerkstatt. Der Chef der Firma nahm sich das Problem an. Ein Telefongespräch und gleich darauf die Einladung in sein Auto zu steigen, fuhr er mit uns quer durch Nuuk zu einem Händler, der das Gerät abholbereit übergab. Der Geber hat ein kleines Vermögen gekostet, für den Liebesdienst akzeptierte der Firmenchef nur ein Dankeschön mit einem Händedruck. Doch leider ist das Manometer auch defekt, so dass seine Dienstleistung noch einmal in Anspruch genommen werden muss. Der Seemannsmission vor Ort, mit Internetzugang, wurde danach ein Besuch abgestattet und die Möglichkeit nach einer Duschgelegenheit ausgelotet.
59. Tag - Dienstag - 24.06.2014
Mit frischem Geld im Portemonnaie konnte endlich wieder frisches Obst und Gemüse, bei großer Auswahl in Nuuk, die Speisekammer füllen. Der Geldfluss war nach einer abgehobenen kleinen Summe gesperrt, weil bei einem Auslandsaufenthalt die Freigabe bestimmter Geldbeträge beantragt werden müssen. Wer denkt denn schon an Bord an solche Neuregelung. Da hat man mit Wind und Wetter genug um die Ohren und mit dem Benz Diesel und seiner Öldruckanzeige die wieder zum Leben erweckt werden musste. Die Bordingenieure haben auch das Problem beseitigt, so dass es weiter gehen kann. Dichtes Gedrängel zur Zeit in Nuuk von Windjammern. Vier Segelyachten, zwei Amerikaner, Franzose und wir mit Abstand die kleinste Yacht, alle mit dem Ziel Discobucht nach Ilulissat.
60. Tag - Mittwoch - 25.06.2014
In der letzten Nacht, war ein Erholungsschlaf nicht möglich. Mit leichtem Regen, seit längerer Zeit mal wieder, fing es an. Der Niederschlag wurde heftiger und der Wind tobte sich mal so richtig aus. Zusätzliche Leinen und Fender mussten ausgebracht werden, damit die Yacht den ungestümen Sturm schadlos übersteht. Keiner der Mannschaftsangehörigen verspürte große Lust, den Blanken Hans herauszufordern. Deshalb wurde einstimmig der Auslauftermin auf morgen verlegt. Die Neulinge an Bord nutzten den Tag um sich das Kollonialviertel anzuschauen. Große Enttäuschung bei den Heimkehrern. Der große rote Briefkasten ist verschwunden. Dort konnten schriftliche Wünsche eingeworfen werden, die sich angeblich erfüllen sollten. Der größte Baum der Insel, der künstliche Weihnachtsbaum ist auch verlegt worden, nach Ilulissat. Sonst war der Tag bei 3°C nicht dafür geeignet sommerliche Badeausflüge am Strand zu unternehmen.
61. Tag - Donnerstag - 26.06.2014
06:00h hieß es mal wieder Reise, Reise. Es soll weiter Richtung Norden gehen. Ein kleines Ausflugsschiff hatte vor Tagen an der „Falado“ angedockt und musste erst einmal verholen. Die Wassertanks ausgelaugt, mussten auch noch mit frischem Inhalt befüllt werden. Die Fischfabrik spendete das köstliche Nass. Nur musste es mit kleinen Kanistern an Bord geschleppt werden. Für die Mannschaft, selten dass sie sparsam mit der Köstlichkeit umgeht, war es hoffentlich eine Lehre. Jedenfalls haben sie ganz schön geschwitzt und innerlich geflucht, weil keine Wasserversorgung per Schlauch existiert. Der achterliche Süd Wind auf See, bringt die Yacht kräftig ins Rollen. Der frisch vom Bäcker erstandene Kuchen wurde vom Bordpersonal, dem Koch, Stewart, Matrosen, Fotografen und den Neuzugängen nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Einige Bleichgesichter sind sofort in ihre Koje verschwunden, wohl in der Hoffnung, dass es dort ruhiger zugeht. Bei den Nautikern und dem technischen Personal sind noch keine Ausfälle gemeldet, so dass der Bordbetrieb eingeschränkt aufrechterhalten werden kann. Mit etwas Sonne, kein Regen und Temperaturen um 9 °C ist es eigentlich ein schöner Segeltag.
62. Tag - Freitag - 27.06.2014
Die Nacht ließ uns einmal mehr spüren in welchem Gewässer gesegelt wird. Eisberge, kleine Eisfelder, heftiger Regen und Kälte haben die noch aktiven Seeleute auf dem Deutschen Segler nicht gerade verwöhnt. Ein aufziehendes Sturmtief, vor dem die Grönländer gehörigen Respekt haben, hat auch die Schiffsleitung beeindruckt. Sisimiut ist erst einmal verschoben worden, dafür Maniitsoq als Ausweichhafen auserkoren. Selbst große Schiffe haben hier zu einem geschützteren Liegeplatz verholt. Eine Amerikanische Yacht lag an einem dieser großen Schiffe. Beim Einlaufen in den Hafen winkten sie uns zu sich, wir könnten bei Ihnen Längsseits gehen. Diese Einladung konnte nicht ausgeschlagen werden und so gingen wir gut geschützt vor dem großen Sturm neben ihnen in Deckung. Die Sailors aus Deutschland müssen sehr durchnächtigt und durchgefroren auf sie gewirkt haben, denn es folgte eine Einladung zu einem gemeinsamen Frühstück. Eine Internationale Besatzung der „Snow Dragon“ begrüßte die Nachtsegler, bestehend aus, Finnen, Dänen, Engländern, Amerikanern und wir die Deutschen zu Gast. Der Korvettenkapitän aus Dänemark und Hobbybäcker, reichte selbstgebackenes Brot. Seit Deutschland verlassen wurde gab es nichts vergleichbares Wohlschmeckenderes zum Frühstück. Manchmal erweckt eine so kleine Yacht, wie die „Falado„ in diesen Breiten Mitleid und die ganze Mannschaft profitiert davon.
63. Tag - Samstag - 28.06.2014
In der Nacht zog das versprochene Sturmtief heran und Rasmus zeigte seine Muskeln. Trotz des geschützten Liegeplatzes flogen die Fahrensleute in ihren Kojen hin und her, so dass die anfälligen Kandidaten vorsorglich mit Unwohlseins-Tüten versorgt wurden. Starker heftiger Regen mit Schnee und Hagel vermischt, trommelten aufs Deck. Tagsüber hielten die Wetterkapriolen bei Temperaturen von 2°C weiter an. Eine Ortsbesichtigung am Nachmittag war nur mit einem Kompass möglich, da die undurchdringliche Nässe keinen Weitblick erlaubte. Einige „Snow Dragon“ Besatzungsmitglieder des Amerikaners haben bei dem lausigen Wetter eine 10 km lange Wanderung über Stock und Stein unternommen. Die Schönwettersegler der „Falado“ haben sich in Gummistiefeln an dieser Safari beteiligt und kamen ziemlich mitgenommen zurück, so dass erst einmal das Sofa in Beschlag genommen wurde.
64. Tag - Sonntag - 29.06.2014
Am Samstagabend um 21:00 h ein Klopfen an der Bordwand. Die amerikanische Yacht, an der wir längsseits lagen wollte auslaufen. Laut der neuesten Wetterdaten soll der Wind am Montag auf Nord drehen und das Ziel Ilulissat würde nur aufkreuzbar erreichbar sein. Kurzentschlossen machte die Besatzung der „Falado“ auch seeklar und legte mit ab. Beide Yachten nutzten den Binnenweg eines Fjords mit vielen Gletschern und nach 6 Stunden Fahrt ging es auf das offene noch sehr unruhige Meer. Mit Regen und Kälte wurden die Wachhabenden auf ihrer Wache verwöhnt. Erst am späten Nachmittag klarte das Wetter auf und der Offshore Anzug hatte ausgedient. Wie vom Wetterdienst versprochen, allerdings ein Tag früher, stürmte es am Abend nach einer totalen Flaute mit 2 Beaufort aus Nord, Halleluja, wie soll die Schiffsführung bei solchen Bedingungen den Fahrplan einhalten?
65. Tag - Montag - 30.06.2014
Die altgedienten Fahrensleute hatten mal wieder alle Hände voll zu tun. Die „Falado“ in ihrem Element hat die Angewohnheit bei aufgewühlter See zu schaukeln. Das finden die Assistenten überhaupt nicht gut. Wie schon so oft auf dieser Reise, haben sie sich erneut abgemeldet und erscheinen nicht zu ihrem Wachdienst. Das heißt für die Stammbesatzung, doppelte Wache( Zutörnen auf Seemännisch), für das leibliche Wohl zu sorgen und alle Decksarbeiten im Alleingang. Die Disko Bucht, unser Endziel, mit einer der Orte Ilulissat auch Jakobshaven genannt, macht es einem auch nicht leicht, den Ort der Begierde zu erreichen. Lange mühsame Kreuzschläge von 60sm bei Gegenwind von 6 Beaufort verlangt der alten Dame „Falado“ alles ab. Bei 5 Knoten Fahrt ächzt und stöhnt sie in den Verbänden, als wollte sie sagen, nun ist aber bald mal gut. Das Wetter zurzeit grönländisch. Morgens dicker Nebel, obwohl stürmischer Wind, zwischendurch zeigt sich mal die Sonne, Regenschauer würzen das ganze bei eisigen Temperaturen. Selbst die großen Wale stecken ihre Nase selten heraus, vermutlich wegen der Kälte.
66. Tag - Dienstag - 01.07.2014
Langsam aber stetig wird der letzte Törnabschnitt bewältigt. Der Lohn der Arbeit, im Schiff ist es feucht und klamm und teilweise eine Tropfsteinhöhle. Beruhigend ist es aber, draußen ist alles noch schlimmer. Während sich außen die Temperatur bei 0°C einpendelt, ist es im Schiffsinnern bei 4 – 5°C eher mollig und warm. Das ganze hat auch seinen Vorteil. Die Kühlschranktür kann gern mal geöffnet bleiben denn der Inhalt verdirbt nicht und so paradox es klingt, er spendet sogar noch Wärme. Inzwischen ist die Disko Bucht erreicht und wohin man auch schaut Eisberge über Eisberge treiben fast lautlos dahin. Die kleinen aber bedrohlichen Ableger die Growler sind das Problem. Bei Übermüdung oder Unkonzentriertheit tauchen sie ohne Vorwarnung plötzlich vor dem Bug auf und könnten ärgste Probleme bereiten und bis Ilulissat sind es noch 65sm.
67. Tag - Mittwoch - 02.07.2014
So gegen Morgen, es sind nur noch 6sm bis zur Hafeneinfahrt in Ilulissat, stoßen wir auf eine Front massiv aneinander geketteter Eisberge in unübersehbarer Breite und Eisfelder füllen die leeren Räume. Ein imposantes und ehrfürchtiges Bild zugleich. Aber wo ist die Lücke für die Durchfahrt. Eine kleine Öffnung war, nach dem ein Teil der Front abgefahren wurde, der Eintritt ins Innere der Eismassen. Mit langsamer Fahrt, der Ausguck vorn auf der Back gab Handzeichen an den Steuermann, bis es scheinbar nicht mehr weiter ging. Ein Ausflugsschiff, aus dem Ort kommend wurde zwischen den Giganten bemerkt. Immer wieder verschwand es, abgedeckt vom Eis um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. In einem Abstand von etwa 200 Metern muss es also wieder etwas freieres Wasser geben. Ein Eisfeld, als einziges Hindernis, musste dafür noch durchfahren werden. Zentimeter für Zentimeter schoben wir uns durch die Eismassen hindurch. Der Rumpf gab hin und wieder ein paar klagende Geräusche von sich, doch der Durchbruch war geschafft. Unzählige kleine Fischerboote aus Ilulissat fischten vor ihrer Haustür. Ein Petri Heil Aktiver spendete gleich zwei große Heilbutte zur Begrüßung. So stellte sich gar nicht erst die Frage, was essen wir heute? Zwei Yachten, ein Franzose mit Motorschaden und die uns schon bekannten Amerikaner, lagen hier schon zu Gast und wir gesellten uns dazu. Der Hafen bietet eine Geschäftigkeit die ihres gleichen sucht. Hunderte von kleinen Booten mit Außenbord-Motoren bis zu 250 PS. Die legendären Kajaks der Eskimos haben ausgedient. Unser Liegeplatz befindet sich unmittelbar an einer Wassertankstelle. Ihre durstigen Motoren müssen häufig betankt werden wofür genügend Geld vorhanden ist. Für Fender, bestehend aus leeren Cola Flaschen und Festmachern aus zusammengebundenen Schnürsenkeln reicht es nicht mehr. Die „Falado“ ist mit Fendern und Sitzkissen rundherum eingerahmt weil sie diverse Rammings schon einstecken musste, verursacht von den Nachfahren der Kajakfahrer.
68. Tag - Donnerstag - 03.07.2014
Ruhige Minuten erlebt man hier in Ilulissatt zu keiner Zeit. Die ungehobelten Insulaner sind Tag und Nacht aktiv und ständig dabei ihre Tanks wieder zu befüllen. So bumste es nachts ein paar mal an der Bordwand und ab 05:00h wurde es richtig hektisch um uns herum. Boote in der Warteschleife banden ihr Boote einfach am Relingsdraht des Seglers aus Old Germany mit einer Leine und natürlich ohne Fender, fest. Unverständnis erntete man, bei dem Hinweis, dafür sind eigentlich die Klampen und Poller zuständig. Etwas unausgeschlafen, dafür aber Kaiserwetter in Grönland. Dafür wurden die zweistelligen Temperaturen genutzt und ein Großangriff auf die Feuchtigkeit gestartet. Der Blister die verspackten Matratzen, einfach alles was sich bewegen ließ, landete an Deck und mit Wasser und grüner Seife wurden die Innenräume glanzvoll gereinigt. Lästig und inzwischen nervig die kleinen Quälgeister, die ihre Verstecke verlassen haben und überfallartig angreifen und dem Opfer zwangsweise Blut entnehmen für ihre Nachkommenschaft. Tief Beeindruckt war die ganze Mannschaft von dem Eisfjord der am Abend bei einer 2 1/2 stündigen Wanderung aufgesucht wurde, Ein Naturereignis, das jegliches Vorstel-lungsvermögen übersteigt. Dafür haben sich die Strapazen der Reise ohne Abstriche gelohnt.
69. Tag - Freitag - 04.07.2014
In der Touristeninformation die erlösende Auskunft über eine Dusch- und Waschmöglichkeit in der örtlichen Jugendherberge. Zuletzt in Fiskenæsset, vor 14 Tagen, hatte die Crew das letzte Mal das Vergnügen einer Komplettreinigung unter fliesend warmen Wassern. Unser Nachbarbar, ein Niederländer mit einer 17 m langen selbstgebauten Yacht mit Maschinenschaden, hatte uns am Abend zuvor zu sich an Bord eingeladen zu einem Drink. Er arbeitet für Agenturen und Verlage mit denen er Eisfahrten in den kalten Revieren wie Spitzbergen, Labrador, Kanada und Grönland unternimmt. Uns hatte er angeboten ebenfalls Aufnahmen von der „Falado“ im Eisfjord von seinem Schlauchboot aus zu filmen und zu fotografieren. Vermutlich ist sein Vater einer der Konstrukteure der „Falado“, Carena 36. Er war zu der Zeit in dem Konstruktionsbüro tätig in dem diese Yacht entworfen und die Baupläne an die Bauwerft Habbeke in Vollendam verkauft wurden. Gegen 22:30h ist die Mannschaft mit ihrer Yacht in Richtung Eisfjord ausgelaufen. Der Holländer mit seinem Zodiak Schlauchboot begleitete die Deutschen um wie versprochen Aufnahmen von der Yacht im Eis zu machen. Als Gegenleistung haben sich die Maschinisten bereit erklärt, seine neue Maschine am nächsten Tag mit einzubauen.
70. Tag - Samstag - 05.07.2014
Nachts erneut ein schabendes Geräusch an der Bordwand. Ein großer Fischkutter rieb sich die Pocken an der „Falado“ ab. Der schwere Fischkutter war mal wieder mit nur einer Leine befestigt. Im Schlafanzug ist der Eigner der Yacht auf den Kutter gehechtet und ihn mit weiteren Leinen gegen den auffrischenden Wind vor weiteren Annäherungsversuchen gesichert. Gegen 10:00h wurde der neue 6 Zylinder Diesel unseres Nachbarn angeliefert. Im Blaumann ging es dann an die Arbeit, den Flautenschieber an seinen Platz zu bugsieren und diverse Aggregate anzubringen. Sichtlich erleichtert war der Eigner, als das Teil auf dem Fundamenten stand und wollte die Crew aus Dank abends zum essen einladen. Doch wir lehnten dankend ab, denn auch die „Falado“ Crew war erleichtert, den ungastlichen Hafen mit den vielen Motorbootfahrern die unser Zuhause oft unsanft behandelt haben, verlassen zu können. Um 18.00h hieß es Leinen los. Es geht durch ein Eisfeld zu dem Equip Gletscher im Afasund.
71. Tag - Sonntag - 06.07.2014
Morgens 05:00h wurde der Ankerplatz in einer Bucht, nahe am Equip Gletscher erreicht. Die Bucht war schon mit anderen Gästen, Abkömmlinge des Eisgiganten belagert. Nachdem der Anker gefallen war, wurde bemerkt, dass in der Bucht ziemliche Turbulenzen herrschten. Es dauerte auch nicht lange, rieb sich der erste Eisklumpen am neuen Lack der „Falado“. Mit allen Mitteln wurde versucht ihn wieder loszuwerden. Der sehr Anhängliche Geselle hatte noch einige Geschwister, die es ebenfalls auf die Yacht abgesehen hatten. Nach dem die Mannschaft einige Stunden geruht hatte, zwischendurch aber immer wieder belästigt wurde, ging es nun direkt zum Gletscher. Ein Ankerplatz vor einer Flussmündung mit gutem sandigem Grund sicherte uns eine gute Liegemöglichkeit. Der Gletscher selbst gab in regelmäßigen Abstände Laute von sich, die einem schweren Gewitterdonner glichen. Ein Binnenlandgletscher der sehr aktiv ist und mit einer Zunge zum Meer kalbt. Am Abend wurde das Schlauchboot zu Wasser gelassen mit dem neuen Außenbordmotor. Ein kurzer Landgang und schon war es Mitternacht durch und es war 01::00 h. Man vergisst bei der ständigen Helligkeit Zeit und Stunde.
72. Tag - Montag - 07.07.2014
Eine neue Hiobsbotschaft beschäftigt die ganze Besatzung. Die Heizung hat ihren Geist aufgegeben. Statt Wärme abzugeben hat sie die Räume im Schiff mit unverbranntem Diesel-qualm eingenebelt. Nun wird versucht in Ilulissat die Ursache zu finden und eventuell von dort aus Ersatzteile zu bekommen. Bei hochsommerlichem Wetter wird im Sund geblistert und am Aus-gang Treffen der großen und Größten Eisberge schwimmend im Meer. Ein Furchteinflößender Anblick und wir da mitten durch. Die Drehung eines Ungeheuers könnte uns in Schwierigkeiten bringen mit der Flutwelle die dadurch erzeugt wird. Selbst im überfüllten Hafen von Ilulissat hat sich ein Eisbrocken verirrt der die Schifffahrt erheblich behindert. Als erstes, nachdem die Leinen befestigt waren, wurde das Sorgenkind, die Heizung seziert, um den Grund für den Blackout zu ergründen.
73. Tag - Dienstag - 08.07.2014
Das Gesamte Innenleben von der defekten Heizung lag ausgebreitet auf einer weißen Decke auf dem Salontisch. Mit feinen Werkzeugen die Ursache für den Ausfall erkundet. Es sind aber weitere Untersuchungen und Beratungen mit spezialisierten Fachleuten nötig, weil keine eindeutige Diagnose erstellt werden konnte. In der Jugendherberge wurden noch einmal von der Waschmöglichkeit Gebrauch gemacht. Das heißt, mit dem Wäschesack über zwei Schiffe turnen, mit akrobatischen Verrenkungen die Kaimauer erklimmen und dann den 100m hohen Berg bezwingen, danach waren weitere Anstiegen nötig bis zu dem Ort des Waschhauses. Das Fußballspiel Deutschland gegen Brasilien in einem Hotel, konnte wegen des Waschtages erst mit 10 Minuten Verspätung verfolgt werde, so dass das erste gefallene Tor mir versagt blieb. Einer Deutsche Fangruppe im Lokal schloss ich mich an, wobei zwei Polizisten aus Mitteldeutschland nach dem Spiel die „Falado“ einmal aus der Nähe und von innen kennen lernen wollten. Sie hatten uns von einem Touristenschiff aus beobachtet, als wir uns im Eisfjord befanden.
74. Tag - Mittwoch - 09.07.2014
Ein großes Problem war es, eine Adresse in Nuuk oder auch woanders auszubaldowern, wohin das Ersatzteil für die Heizung aus der Schweiz kommend verschickt werden kann. Die Firma Bukh, Generalimporteur der Wallas Heizung in Bremen verweigerte den Versand zu uns nach Grönland. Armes Deutschland. Die Wartezeit bis zur Klärung der Probleme wurde vom Maschinenpersonal genutzt, nach den vielen angehäuften Maschinenstunden, Getriebeöl und Motorenöl zu wechseln. Zur Belohnung folgte eine Einladung vom Nachbarschiff zu einem gemeinsamen Essen am Abend. Die Amerikanische Crew, auch wieder im Hafen liegend, erweiterte den Kreis der Anwesenden. Das Essen musste allerdings einige Stunden verschoben werden, weil auf der USA Yacht die höchste Alarmstufe herrschte. Sie hatten einen Wasserein-bruch von einem halben Meter im Schiff. Auch einige Besatzungsmitglieder der „Falado“ beteiligten sich am Auspumpen der salzigen Brühe. Ein Großteil der Lebensmittel wurden vom kontaminiertem Wasser unbrauchbar. Werkzeuge, Ersatzteile und Teile die im unterem Bereich lagern haben stark gelitten. Verwunderlich war der Humor, den die Crew nicht verloren hat.
75. Tag - Donnerstag - 10.07.2014
Ilulissat wird nun endgültig verlassen. An der kleinen Tankstelle neben unserem Liegeplatz fand noch einmal ein Austausch in den Brennstofftanks statt, Diesel gegen Luft. Ein ungehobelter Kutterfahrer quetschte sich am Heck und einem anderen Schiff in die enge Gasse. Nach dem Motto, was nicht passt wir mit entsprechender Motorleistung passend gemacht. Die Selbst-steueranlage und mein Ruder sah ich schon zu einer modernen Kunst um modelliert. Heftiger Protest der Mannschaft erwiderte der Draufgänger mit einem müden Lächeln. Nur schnelles Handeln bewahrte uns davor, die Yacht vollständig zu erhalten. Draußen vor der Hafentür, erwartete uns massives Eis und ein Kreuzfahrer der weißen Flotte mit dem Namen „Hamburg“ aus Nassau. Beim Umkreisen des Passagierschiffes wurden wir von den Kreuzfahrern applau-dierend begrüßt, und mit verschiedenen Fragen konsultiert. Unsere Reise war ebenfalls eine Kreuzfahrt, nur von anderer Natur. Die Lücken im Eis zu finden und das bei Nebel. Kreuz und quer und wieder ein Stück zurück verlief der Törn zur Disko Insel.
76. Tag - Freitag - 11.07.2014
Bei dickstem Nebel wurde die Disko Insel Godhaven erreicht. Gespenstisch ging es im Hafen bei den Bedingungen zu. Unzählige kleine Boote lagen, nur schemenhaft erkennbar, in der Hafen-bucht auf dem Anker und an Bojen. Eine freie Tonne reserviert für uns oder für wem auch immer, wurde in Beschlag genommen. Nach ein paar Stunden Ruhe, strahlend blauer Himmel bei 10°C und das Ganze ohne Nebelschleier. Auch hierher verirrte sich ein Musikdampfer der weißen Flotte, beladen mit Yuppies verschiedener Nationalitäten. Mit Schlauchbooten wurden sie für kurze Zeit zum Souvenireinkauf an Land geschickt, später wieder eingefangen und schon ging es weiter. Ein Inselrundgang ohne Stress absolvierte die ganze Mannschaft bei immer noch traumhaft schönem Wetter. Diverse Schlittenhunde machten sich lautstark bemerkbar, denn die Mahlzeit für den Tag war fällig. Aber sonst ein stiller idyllischer Ort mit sehr netten und freundlichen Bewohnern.
77. Tag - Samstag - 12.07.2014
Eigentlich sollte die Reise heute fortgesetzt werden. Entsprechend früh ein erster Blick aus dem Skylight. Dicker Nebel und Eisbrocken sind das Einzige was sichtbar ist. Ein sofortiger Rückzug in die noch warme Koje wurde umgehend beschlossen. Erst am Nachmittag verzog sich der graue Schleiervorhang und die Sonnenkugel spendete etwas Wärme für die Mannschaft ohne Heizmöglichkeit. Mit dem Beiboot unsere Fähre zur Insel, stiefelte die Mannschaft auf der Disko Insel in Richtung einer kleinen Hütte mit Internetzugang. Doch das Netz war zu schwach für unsere Ansprüche. Deshalb wurde der letzte Winkel des Ortes erkundet und mit Kuchen vom Bäcker die Rückreise an Bord angetreten. Um später einmal über das Thema Fußball- Weltmeisterschaft mitreden zu können ging es noch einmal an Land ins Hotel, dort konnten wir das Spiel Niederlande gegen Brasilien verfolgen.
78. Tag - Sonntag - 13.07.2014
Die Insel will scheinbar Besitz von uns ergreifen, denn es hat sich nichts geändert. Der Panoramablick glich dem Bild von gestern Morgen. So oder so, der Anker wird gelichtet. Ein paar Lebensmittel mussten aber noch beschafft werden. Deshalb wurde das Beiboot mit Kompass und erfahrenen Besatzungsmitgliedern auf die Reise geschickt, um sie zu besorgen. Mit nassem Hinterteil und dem Einkaufsgut himmelwärts haltend, kamen sie wieder zurück. Das Boot mittlerweile in die Jahre gekommen, hatte ein Leck. Die Bergung auf das Mutterschiff wurde umgehend vorgenommen und die Leckstellen fachgerecht vom Bootsmann mit Hanf und Teer kalfatert. Auf See Richtung Sissimut wird die „Falado“ vollkommen vom Nebel eingehüllt und macht sie fast unsichtbar und alles um sie herum ebenfalls. Deshalb kommt das Radargerät zum Einsatz um nicht Bekanntschaft mit dem eisigen Treibgut zu machen.
79. Tag - Montag - 14.07.2014
In der Nacht konnte die Mitternachtssonne wunderbar beobachtet werden. Der Nebel hatte sich verzogen und es zeigte sich ein klarer wolkenfreier Himmel. Sie tauchte am Horizont nicht mehr ins Meer, behielt eine ansehnliche Höhe bis sie nach einer gewissen Zeit die Himmelsleiter wieder empor stieg. Mit dem Segelwind ist das so eine Sache. Immer sehr launisch, mal weht er zu heftig mal hält er sich komplett zurück und in der Regel bläst er von vorn. Anfang der Reise war von ihm weit und breit nichts zu spüren. Dann eine erfrischende Brise bis er unsichtbar im Nebel sein können demonstrierte. Mit 7 Baufort und einer Reisegeschwindigkeit von 8,5 sm/h schob er den Oldtimer vor sich her. Ein Teil der Mannschaft fand das gar nicht gut weil ihnen dabei sehr übel wurde. In Sissimut angekommen, war die Fischverarbeitungspier, nur mit kleinen Booten belegt, zum Anlegen genau das Richtige für uns. Noch schnell ein Sherry für die Bettschwere und ab ins Körbchen.
80. Tag - Dienstag -15.07.2014
Nach 2 Stunden Bettruhe merkte die Schiffsführung ein Zerren an den Leinen . Obwohl die Vor-und Achterleinen sowie vor und Achterspring reichlich lose hatten, mussten sie erneut weiter gesteckt werden. Inzwischen war die Pier sehr weit himmelwärts gestiegen, bzw. die „Falado“ gesunken. Zurück in der Koje, die Bettwärme war noch nicht wieder hergestellt, neigte sich die Yacht merklich auf die Seite. Nun wurde auch klar, warum die Pier so einladend leer war. Das Wasser hatte sich weitestgehend verabschiedet, der Grund gut sichtbar. In aller Eile wurde eine Leine um den Mast gelegt schnell an Land gejumpt und das andere Ende an einem massiven Poller befestigt. Nun war ein Kentern nicht mehr möglich. Nach und nach kam die ganze Crew aus ihren Gemächern. Sie glaubten schon, sie befänden sich wieder auf See, wegen der enormen Lage. Nach dem das Wasser zurückgekehrt war, fand ein Standortwechsel statt, wo garantiert bei Ebbe genug Wasser unterm Kiel vorhanden war. Der Tidenhub beträgt hier vor Ort fast 5 Meter.
81. Tag - Mittwoch - 16.07.2014
Seit unendlich vielen Tagen mal eine erholsame Nacht. Kein Eisalarm, kein Inuit der sein Boot an der „Falado“ rieb, kein Seekranker der ankam, mir ist schlecht, ich muss abgelöst werden, kein Wassermangel unter dem Kiel oder sonstige Hiobsbotschaften die der Schiffsführung den Schlaf raubten. Mit einem erfrischenden Duschbad im Seemannsheim und an gleicher Stelle ein Internet-zugang, kam direkt ein gewisses Wohlgefühl auf. Zurück an Bord eine neue Überraschung. An dem Schlauchboot, zurzeit auf Deck deponiert zeigen sich an verschiedenen Stellen Auflösungs-erscheinungen an der Vulkanisierung. Wenn der Versuch scheitert, die defekten Stellen mit Bordmitteln zu reparieren, wird zukünftig ein Landgang im Reedehafen nur schwimmend möglich sein.
82. Tag - Donnerstag - 17.07.2014
Ein Tag wie jeder andere. Den Wetterbericht aus dem Internet heruntergeladen, Einkäufe getätigt, dann wurden die Leinen eingeholt und ab ging es Richtung Nuuk. Bei 1-2 Beaufort pflügt die „Falado“ mit 2,5 sm/h durch die See. Der Schwache Wind und die ruhige See haben den Vorteil, dass erst einmal keine Ausfälle von Mannschaftsmitgliedern zu befürchten sind. Ideale Bedingungen für die Robbenjäger. Sie veranstalten das reinste Schützenfest. Es knallt und ballert um uns herum und die Kugeln, die von der Wasseroberfläche abprallten schlugen beängstigend nahe am Schiff ein. Mit ihren großen Außenbordmotoren rasen sie über die glatte See ihren zahlreichen Opfern entgegen. Alle Augenblicke stecken diese aus Neugier den Kopf für einen kurzen Moment aus dem Wasser. Für einige von ihnen war es dann leider das letzte Mal. Auf Robbenfleisch wurde an Bord verzichtet. Dafür gab es einen fleischlosen Kartoffelauflauf mit leckeren Zutaten. Selbst die Fleischliebhaber fanden das Mahl sehr köstlich, so dass kein Hap-pen mehr übrig blieb.
83. Tag - Freitag - 18.07.2014
Im Moment befinden wir uns in einer windfreien Zone. Das heißt mal wieder dieseln. Um den Flautensegler herum schnauft und lautet es am laufenden Band. Wale mit ihren Nachkommen und Robben die sich scheinbar oberhalb der Wasserlinie verständigen. Bei Windstille und blauem Himmel gibt es auch in Grönland T-Shirt-Wetter und das auf See. Der Koch, auf See, mal ohne Probleme, versorgte die Mannschaft mit einem leckeren Nudelgericht. Es wird versucht, die Fett-vorräte am Körper wieder aufzufüllen, denn alle paar Tage klopft es an der Werkstatttür: „Meister ich brauch neue Löcher in meinem Gürtel die Hose rutscht mir schon wieder auf die Knie". Er ist zurzeit der gefragteste Mann an Bord.
84. Tag - Samstag -19.07.2014
Bis zum Morgen war es ein schönes entspanntes Segeln. Doch dann drehte Rasmus den Hahn zu und der Blister hing armselig, schlaff herunter. Erst nach mehreren Stunden wurde die Windmaschine wieder in Betrieb gesetzt aber mit veränderten Parameter, für uns direkt von vorn. Eine zusätzliche Abwechslung gab es am späten Vormittag. Der Meeresteil, den wir am späten Vormittag durchliefen, war offensichtlich eine Diskothek für die 15 Meter langen Buckelwale. Auf der Suche nach einem Partner wurde mit lautem Gesang, spektakulärer Luftakrobatik, hohen Fontänen beim Ausatmen, begleitet mit lautem Schnaufen und Prusten um die Gunst geworben. Sie tollten zu zweit herum und schienen alles um sich herum nicht mehr wahr zu nehmen. Einige Exemplare kamen dem Schiff sehr nahe, wobei ein Einzelgänger es auf das Unterwasserschiff zum kuscheln abgesehen hatte. Er stürmte auf das Heck zu, tauchte kurz vorher ab, umkreiste die scheinbar attraktive „Falado“ mehrmals, wobei er mächtige Strudel erzeugte, sie dann aber unberührt zurück ließ. Ein wirklich spektakuläres Ereignis wurde uns da geboten.
85. Tag - Sonntag - 20.07.2014
Nach einer relativ kalten Nacht 5°C und einen schönen Sonnenaufgang konnten die Leinen in Nuuk erneut neben einem Berufsschiff belegt werden. Nachdem einige Stunden geruht wurde, verwöhnte die Sonne die Nachtschwärmer mit angenehmen Temperaturen. Auf der Agenda stand die Bestandsaufnahme des an Bord befindlichen Proviants. Am Ende war die Aktion für den Koch so anstrengend, dass er keine Lust mehr hatte, zu kochen. Kurzentschlossen lud er die gesamte Mannschaft zum Essen an Land ein. Keiner der Sailors hatte etwas dagegen. Ganz so einfach war es dann doch nicht eine geeignete Gastronomie zu finden. Im ersten Speisehaus das betreten wurde, wurde gekifft und gedopt. Das war nicht der nicht der Ort zum Wohlfühlen. Deshalb zog die Karawane der „Falado“ weiter ins nächste Lokal. Auch hier saßen bzw. lagen Figuren am Tisch mit glasigem Blick und ihrem prozenthaltigem Getränk im Arm. Auch hier hatte keiner das Bedürfnis zu dinieren. Weitere Lokale waren ausschließlich Fastfood Kaschemmen die auch nicht in Frage kamen. Am Ende entschieden sich alle für die Thaigaststätte in Grönlands Hauptstadt. Der Koch hat sich nicht lumpen lassen und seine ganze Heuer des Monats für die Mannschaft geopfert. Zurück an Bord wurde gesammelt, und vom Erlös beim Steward Sekt für den Wohltäter geordert. Der hatte heute seinen sozialen Tag und hat dann das Getränk auch noch freigegeben, für Jedermann auf dem Schiff.
86. Tag - Montag - 21.07.2014
Das Ersatzteil für die Heizung ist vom Zoll freigegeben und befindet sich im Schneckentempo auf den Weg nach Nuuk. Es wird damit gerechnet, dass der Brief mit dem Ersatzteil, dem Filzboden, in 6-7 Tagen die Mannschaft mit den Frostbeulen erreichen wird. Die Wartezeit wird mit einem Ausflug in den Godthåb Fjord verkürzt. Deshalb wurden die Segel gesetzt in Richtung Kapsigdlit. Mit einer Zwischenstation in Qorgut Färeavisstation. Eine ruhige Ankerbucht mit einem Restaurant und einigen Ferienhäusern. Die kleinen Quälgeister Mücken und Fliegen waren hier besonders anhänglich. Mit einem Speziellen Spray konnte man sie ein wenig vom Leib halten und den Abend mit der reizvollen Umgebung vom Cockpit aus genießen.
87. Tag - Dienstag - 22.07.2014
Um 09:30h hieß es Anker auf. Selbst um diese Zeit waren die fliegenden Blutsauger schon wieder in der Luft um die Fremdlinge zur Ader zu bitten. Auch von der leichten Brise ließen sie sich nicht einfach abschütteln und fanden immer eine unbedeckte Stelle am Körper um den begehrten Grundstoff für ihre Nachkommen abzuzapfen, zum Leidwesen der unfreiwilligen Spender. Nach einem schönen gemütlichen Segeltag auf den Fjord wurde der Ort Kapsigdlit erreicht. Die netten Menschen die uns dort empfingen schienen im ersten Moment alle Imker zu sein. Sie trugen Kiepen mit einem Netz über das Gesicht und den Nacken. Es ist aber ihre Art sich vor den Blutsaugern zu schützen.
88. Tag - Mittwoch - 23.07.2014
Eine ruhige, erholsame Nacht erlebte die Crew der „Falado“ in einer geschützten Bucht an der Boje. Doch die Zeit drängt, es geht zurück nach Nuuk über einen parallellaufenden Fjord, in der Hoffnung, dass das Ersatzteil den Weg in die Hauptstadt der Inuit gefunden hat. Bisher war Petrus sehr nachsichtig mit uns, bezüglich der Lufttemperaturen, denn keiner aus Mannschaft hat ernsthafte und sichtbare Erfrierungen erlitten, die der defekten Heizung anzulasten wäre. Ein interessanter Fjord, der allerdings mit vielen Cocktail Eiswürfeln gespickt war. Der Flautenschieber musste wieder einmal in Aktion treten und die Arbeit der Fortbewegung übernehmen, weil kein Windhauch die Segel in Form bringen wollte. Nach 13/5 Std. Diesellärm wurde der Hafen in Nuuk wieder erreicht.
89. Tag - Donnerstag - 24.07.2014
Der Tag war noch keine 7 Stunden alt, da wurden die müden Sailors aus dem Schlaf gerissen. Der Nachbar, schon ungeduldig, wollte auslaufen und die „Falado“ blockierte seine Aktion. General-stabsmäßig besetzte jeder an Bord seinen Posten. Von der Maschine bis zur Brücke waren im Nu alle einsatzbereit für das Ablegemanöver, damit der Unruhestifter ausscheren konnte. Nach der Aktion wollte keiner mehr zurück in die Federn, denn das schöne Wetter war zu verlockend. Gemeinsam ging die Crew voller Erwartung in die Autowerkstatt um nach den Ersatzteilen zu fragen. Der Chef des Ganzen, immer sehr beschäftigt, sagte nur: „Geht in mein Büro, dort liegen 2 Pakete für euch, holt sie euch dort heraus“ und wendete sich anderen Aufgaben zu, so als würden wir uns schon ewig kennen. So ein Vertrauen erlebt man wahrscheinlich nur noch in nordischen Ländern. Nach einem Abendessen der besonderen Art, es gab arktischen Saibling, ein sehr wohlschmeckender Fisch, zuzuordnen der Gruppe der Salmoniden, wurde die Heizung zerlegt, um das Ersatzteil an Ort und Stelle zu platzieren. Die Aktion dauerte bis spät in die Nacht bis der Probelauf gestartet werden konnte. Aufregende Minuten vergingen, bis klar war, ob die Crew die nächsten Wochen weiterhin im Eisbunker verbringen muss. Langsam aber stetig lieferte sie die gewünschten Kelvins. Die Mannschaft überglücklich, bedankte sich überschwänglich bei den Bordmechanikern.
90. Tag - Freitag - 25.07.2014
Die Reparatur der Heizung war eine Punktlandung. Kaltes regnerisches Wetter und Wind aus Süden zeigten sich beim früh morgendlichen Blick nach draußen. Der geplante Auslauftermin wurde deshalb um einen Tag verschoben, weil die Aussichten für die nächsten Tage vielversprechend waren. All die Tage zuvor betrugen die Temperaturen 10 – 17°C. Nur abends und morgens zierte eine Gänsehaut die körperfreien Stellen. Seit dem wieder geheizt werden kann, wähnt die Mannschaft sich auf einer Luxus und Komfortyacht. Keine Handschuhe mehr nötig wenn gespeist wird, die Schals und Kopfbedeckungen haben ebenfalls bei Tisch ausgedient. Das Abendmahl, ein Nudelauflauf wurde heute vom Kapitän zelebriert. Der große Berg, in der Pfanne zubereitet, wurde restlos vertilgt, weil vermutlich nach 3 Wochen eine Salontemperatur von 21°C erreicht wurde und den Appetit beflügelt hat.
91. Tag - Samstag - 26.07.2014
Die Nacht über hat Petrus den Dreck vom Deck gespült und zum Trocknen die Sonne vorbei geschickt. Bei leichter Brise aus Nord und angenehmen Temperaturen verlassen wir die hässliche Hauptstadt der Eskimos,( übrigens ist „Eskimo“ hier keine Diskriminierung, wie bei uns immer angenommen wird.) Über verschiedene Fjorde wird die freie See erreicht. Das Meer ist noch etwas aufgewühlt, was nicht Jedermanns Sache ist. Einige redselige Bootsleute, in der Regel immer sehr wortgewandt wurden zunehmend ruhiger, verstummten ganz und verdrückten sich heimlich in ihre Koje. Es ist vorbei mit den unschätzbaren hellen Nächten. Sie nehmen täglich deutlich an Dunkelheit zu, sodass die kleinen Eiswürfel, für uns nicht ungefährlich, sich ungesehen vor dem Bug heranschleichen können.
92. Tag - Sonntag - 27.07.2014
Dicker Nebel, Eisberge die mit einem gewaltigen Knall auseinander geborsten sind und eine Flutwelle erzeugten, Wind aus der richtigen Richtung, nur so schwach, dass kein Segel sich richtig aufblähte und ein Großer Wal in Schiffsnähe der beim wegtauchen seine weiße untere Flosse zeigte, waren für die Crew die erlebten Ereignisse in der Nacht und am Tag und bis zur Ankunft in Fiskenæsset. Eigentlich sollte der Törn ja weiter südlich enden, aber der launische angesagte Wind hielt mal wieder nicht, was vorhergesagt war. Beim abendlichen Spaziergang durch den Ort traf ich viele nette Menschen die über das Erscheinen des Seglers aus Deutschland schon Informiert waren und sehr interessierte Fragen stellten. Sie boten, wenn Probleme bestünden ihre Hilfe an. Sie sagten, jeder auf dieser Insel könnte angesprochen werden, sie würden uns alle hilfsbereit zur Seite stehen. Interessant war die Information, dass alle Haushalte, selbst das Hospital ihre Heizung mit Dieselöl betreiben. Der Brennstoff wird im Kanister auf einer Karre im Sommer und im Winter bei gefallenem Schnee an einem Tau wie ein Schlitten vom Hafen, die Beschaffungsstelle, bis ans Haus transportiert und das auf steilen Wegen und unzähligen Treppenstufen. Eine zentrale Versorgung gibt es nicht.
93. Tag - Montag - 28.07.2014
Nach einer langen geruhsamen Nacht, denn um 21:30h war gestern Abend Zapfenstreich, ließ der Fischermann an dem wir lagen, die Mannschaft bis 08:00h ruhen, bevor er ablegte. Nachdem wir seinen Platz eingenommen hatten, kam ein vierrädriges Kraftrad an gebraust. Ein alter Bekannter aus dem Energiehaus hatte davon gehört, dass der Deutsche Segler wieder da sei. Nachdem er die Yacht genau inspiziert hatte, sollten wir unbedingt einen Gegenbesuch in seinem Büro machen, dort hätten wir Internet und er hätten noch viele Fragen an uns zu stellen, sprach und düste mit seinem Vehikel die paar hundert Meter wieder zurück. Voller Stolz zeigte er mir seine gut gepflegten Anlagen, da er nicht vergessen hatte, dass ich einmal eine ähnliche Tätigkeit ausgeübt hatte. Der neueste Wetterbericht im Internet, war Anlass sich umgehend zu verabschieden. Ein wenig Wehmut war schon dabei, denn er hofft, dass wir uns im nächsten Jahr wiedersehen. Das aktuelle Wetter hatte sich entgegen den alten Vorhersagen zu unseren Gunsten geändert. Wir waren eben aus dem Fiskenæsset Fjord heraus, breitete sich um uns herum dicker Nebel aus, der sich aber nach Stunden wieder verzog. Gerade zur rechten Zeit, denn Eisberge und eine Menge Ableger, die Growler, veranlasste mal wieder Parcours zu segeln.
94. Tag - Dienstag - 29.07.2014
Nebel und Dunkelheit, was gibt es schlimmeres. Auf dem Radarschirm ein bewegtes Objekt, vermutlich wieder ein Eisberg, wohl mit Außenbordmotor was sich langsam aber stetig auf uns zu bewegte. Des Rätsels Lösung, eine große Segelyacht, Schoner getakelt, Herkunft unbekannt. Über UKW Sprechfunk konnte keine Sprechverbindung hergestellt werden. Sie waren mit der gegebenen Situation beschäftigt, denn ein Ausguck stand vorn auf der Back. Mit Fernglas, oder ohne wie seinerzeit auf der Titanic konnte nicht festgestellt werden. Je weiter Richtung Süden gesegelt wird, je mehr weiße Ungetüme tummeln sich ungeordnet im Meer herum. Sie ziehen von der Ostküste Grönlands ums Kap herum auf die Westseite der Insel Richtung Norden. Der angenehme leichte Nordwind hat die Reiseroute geändert Frederikshåb auch Paamiut genannt war das eigentliche Ziel. Doch der weitgehend nebelfreie Tag, Sonne pur und Wind aus dem Norden, wo ist man besser aufgehoben als auf See. Deshalb hat die Schiffsleitung sich für den 70 Seemeilen weiter südlich gelegenen Ort Arsuk entschieden.
95. Tag - Mittwoch - 30.07.2014
Der Ort Arsuk wurde am frühen Morgen angelaufen. An der Versorgungspier zeigte das Echolot einen Tiefgang von nur 2,5m an. Zuwenig für die „Falado“ bei einem Tidenhub von 3 Metern, wenn wir ihr erneut eine trockene stabile Seitenlage ersparen wollen. Zwischen zwei Festmachertonnen, vom Anblick her wie überdimensionierte Sauerstoffflaschen, die aus dem Wasser ragen, wurden die Leinen befestigt. Eine neue Überraschung für die Sailors beim zu Wasser lassen des Beiboots. Noch bevor die Fähre, die unsere Landverbindung herstellen sollte betreten wurde, sprudelte das reinste Seewasser in den Laderaum. Voller Entsetzen kam es gleich wieder ins Trockendock. Das Boot, scheinbar nicht für die Kälte konstruiert, befindet sich komplett im Auflösungsprozess. Die Spezialisten an Bord machten sich sofort an die Arbeit, den maroden Kahn mit Bordmitteln provisorisch abzudichten.
96. Tag - Donnerstag - 31.07.2014
Eine ungestörte Nachtruhe war von der Besatzung erhofft und auch für möglich gehalten. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man ... Der ruhige Abend wurde von einer stürmischen Nacht abgelöst. Die Yacht zerrte an der Vorderleine und zog das Ungetüm von Boje immer weiter auf das flache, inzwischen, wellige Wasser. Dadurch veränderte sich die Position der „Falado“, so dass sie mit den anderen aufrechten Stahlflaschen, die überall platziert waren, anbändelte. Diese Unsitte bemerkte der Skipper und beendete das Verhältnis sofort. Doch so leicht wie gedacht, war die Trennung nicht zu vollziehen. Es dauerte am Ende einige Stunden, wobei die Maschine als Unterstützung mit eingesetzt wurde. Nachdem die Mannschaft ihren Schlaf nachgeholt hatte, wurde das Beiboot zu Wasser gelassen. Noch bevor der Erste die Planken der „Falado“ Tochter betreten hatte, sprudelte aus unbekannter Stelle erneut Wasser in den Laderaum. Der Landgang um Einkäufe zu tätigen war gefährdet. Deshalb bekam jedes Crewmitglied einen Eimer zum Pützen in die Hand von dem bei der Überfahrt kräftig Gebrauch gemacht wurde. Mit Vollgas schob der Außenborder die Havaristen halbwegs trocken ans Ufer. Mit den Einkäufen, dadurch noch mehr Zuladung ging es auf der Rückfahrt trotz kräftigem Schöpfens etwas knapper aus. Sofort wurde der Seelenverkäufer aufs Mutterschiff gehievt und inspiziert. Ein Teil der Verbände, verklebt, lösten sich unaufhaltsam auf. Mit erneutem Versuch, den Kahn wieder abzudichten wurden die letzten Materialreserven aufgebraucht.
97. Tag - Freitag - 01.08.2014
Die Leinen in an den merkwürdigen Festmachertonnen wurden am Morgen eingeholt. Es wurde auch Zeit, denn die kleinen Kriebelmücken, die es scheinbar nur in Arsuk gibt, sind nicht zimperlich. Sie krochen in Nase Mund und Ohren, stechen sofort zu und hinterlassen juckende Entzündungen. Ein angebotenes Spraymittel verhöhnten die Quälgeister und trieben weiterhin ihr Unwesen. Nur die Anwender merkten eine Veränderung an sich, denn sie taumelten und fühlten sich mit Drogen abgefüllt. Hatten wir beim Kauf etwas falsch verstanden, oder ist das Zeug nur zu nehmen, wenn die Viecher unerträglich werden, damit man sie nicht mehr so wahr nimmt? Draußen auf See hatten wir ruhe vor ihnen, dafür eine Waschküche die gespickt war mit weißen Riesen. Die mäßige Brise raumschots führte mal wieder zu Ausfällen beim Personal. Das angenehme rollen der Yacht ist scheinbar nicht jedermanns Sache. So musste die Mannschaft sehen wie sie satt wird, denn der Schönwetterkoch gehörte auch zu den Ausfällen, er meldete sich ordnungsgemäß ab mit einem gelben Schein und ward nicht mehr gesehen.
98. Tag - Samstag - 02.08.2014
Segeln in grönländischen Gewässern ist so, als würden den Besatzungen der Yachten die Augen verbunden, und der Blindenstock sind die elektronischen Geräte, wie Radar und Plotter. Doch manchmal wird ein Hindernis weder vom Stock noch von der Technik erkannt. Und dann hat man ein ernsthaftes Problem. Nebel totale Dunkelheit und auf dem Wasser lauern die Treibmienen aus uralt - zu steinhartem gepresstem Schnee, die sich allzu gern vor den Bug eines Schiffes platzieren und ein Kräftemessen veranstalten, wobei die künstlichen Materialien in der Regel den Kürzeren ziehen. Eine solche Situation hatten wir in der letzten Nacht. Deshalb wurden die Segel geborgen und der Morgen mit dem ersten Licht abgewartet. Wie richtig diese Maßnahme war, zeigte sich gegen 03:30h. Als hätten sie nur auf uns gelauert lagen sie unschuldig wirkend großflächig um uns herum. Unversehrt wurde Julianehåb, auch Qaqortoq genannt, erreicht. Nach einer schnellen Mahlzeit wurden die Kojen aufgesucht, um den entgangene Schlaf nachzuholen.
99. Tag - Sonntag - 03.08.2014
07:00h musste der Nachbar an dem die „Falado“ befestigt war, für eine Mission auslaufen. Er hatte die ehrenvolle Aufgabe als Begleitfahrzeug die dänische Staatsyacht „ Dannebrog“ in den Hafen zu begleiten. Der Kronprinz mit seiner Familie an Bord wollte wohl mal schauen, wie die Milliarden Subventionen in harter Dänischer Währung ausgegeben wurden. Jedenfalls hatte sich eine ansehnliche Menschenmenge vor der Abzäunung eingefunden, um Dankeschön zu sagen. Eine weitere Dänische Yacht weit weniger herrschaftlich nur 37“ (Fuß), lag ebenfalls im Hafen. Das junge Paar suchte den Kontakt zu der Yacht aus Deutschland und so wurden sie unsere Gäste. Bei Cappuccino, Kaffee und Tee wurden Reiseberichte ausgetauscht. Ursprünglich wollten die Beiden nur bis zu den Kanarischen Inseln Segeln. Doch dann haben sie Appetit bekommen und sind über den Atlantik in die Karibik, weiter in die USA und Kanada gesegelt. Über Neufundland sind sie hier in Julianehåb angekommen. Gemeinsam haben wir beschlossen, Unartoq, die Badeinsel mit den heißen Quellen und den Prinz Christian Sund zu bereisen. Der Versuch, in einer der schönsten Städte Grönlands eine Versorgung vorzufinden die dem Ort gerecht geworden wäre, war vergeblich. So ist ein Internetzugang noch nicht gefunden worden. Genauso blieb auch das Auskundschaften nach einer Wasch- und Duschmöglichkeit erfolglos.
100. Tag - Montag - 04.08.2014
Drei Versuche waren nötig um Internetzugang zu bekommen und eine Duschmöglichkeit zu finden. In einem Hotel konnte der Rechner nicht angeschlossen werden und in der Hochschule funktionierte die Maschine überhaupt nicht. Zu guter Letzt wurde die Jugendherberge mit Erfolg aufgesucht. Der Empfang war erstens sehr herzlich, zweitens gab es ein zweites kostenloses Frühstück serviert und drittens unbegrenzten Zugang für das Notebook. Die hübsche Stadt Julianehåb ist im Vergleich zu den vielen vorher bereisten Orten mücken- und fliegenfrei. Und das bei angenehmen Temperaturen. Vermutlich wurde das Ungeziefer für den Staatsbesuch weggeschlossen, damit königlichen Hoheiten sich nicht belästigt fühlen. Am Abend trafen sich noch einmal die Deutsche sowie die Dänische Crew um eine gemeinsame Auslaufzeit für den nächsten Tag abzustimmen. Das junge Paar hat noch keine große Eiserfahrung und sie sind froh darüber, dass sie sich uns anschließen können. Deshalb ging es zeitig in die Koje, weil die Helligkeit des Tages genutzt werden soll.
101. Tag - Dienstag - 05.08.2014
02:45h Ortszeit, das sind 4 Stunden Zeitdifferenz zu Deutschland, wurde die Mannschaft geweckt. Ohne Frühstück und große körperliche Wäsche wurde seeklar gemacht, denn als nächstes wird die Badeinsel Unartoq angesteuert mit den Warmwasserquellen. Sozusagen das Freibad der Grönländer. Die Insel wurde ohne ein Segel gesetzt zu haben gegen Abend erreicht. Der Wind war den ganzen Tag nicht anwesend. Dafür ging es dann mit Windeseile, im reparierten Beiboot vom Ankerplatz an die Küste und ein kleiner Fußmarsch brachte uns zu den grönländischen Hotspots. Wer die Hotspots in Island besucht hat, fröstelt im 37°C warmen Naturbecken. Ein Bad für die Mannschaft war aber längst überfällig, denn der letzte Dusch- und Waschgang fand vor 3 Wochen statt.
102. Tag - Mittwoch - 06.08.2014
Gestern hieß es um 02:45h und heute 05:00h, „all hands“ an Deck, Anker auf, und hinaus auf See. Die Mannschaft an längere Ruhezeiten gewöhnt, fand das gar nicht gut. Die vorletzte Station Nanortalik, auf der größten Insel, ist das Ziel, welches ebenfalls bei Helligkeit erreicht werden sollte. Frachtschiffe und Marineboote bahnen sich den Weg bei Nacht durchs Eis mit mehreren leistungsstarken Scheinwerfern, die an Bord der „Falado“ keinen Platz mehr gefunden haben. In der südlichsten Stadt des Landes angekommen, spendierte die Fischfabrik unmittelbar am Kai gelegen, den Dänischen Nachbarn und uns die hier zeitgleich angekommen sind Frischwasser, dass mit Kanistern und Transportkarre an Bord geschafft wurde. Den Abend wollten die Jütländer nicht allein verbringen und luden die ganze Mannschaft zum Moschusochsen Essen zu sich an Bord ein. Der Abend mit prozentigen Getränken und einheimischen Fleischgericht war sehr nett und interessant, wobei Reiseberichte ausgetauscht und Seemannsgarn gesponnen wurde bis die Planken sich bogen.
103. Tag - Donnerstag - 07.08.2014
Das sommerliche Wetter auf Grönland hält weiter an. Allerdings müssen bei den Temperaturen Abstriche gemacht werden. Die lästigen Stechtiere, Kriebelmücken, sind hier wie ausgestorben sodass unbeschwert der Ort besichtigt werden konnte. Die Wetteraussichten für den Törn nach Island sind nicht so deprimierend, wie noch vor wenigen Tagen angenommen. Deshalb wird die Yacht mit allerlei Lebensmitteln für die lange Überfahrt beladen. Nanortalik ist der letzte Ort auf Grönland. Nur die Wetterstation im Prins-Christian-Sund wird noch angelaufen. Dort werden wir nur mit guten oder schlechten Wetteraussichten versorgt. Am Abend fand der Gegenbesuch der Dänen mit ihrem knuddeligen Border Collie Hund auf der „Falado“ statt. Er war das ganze Jahr auf der SY „Komeet“ mit ihnen zusammen an Bord und hat die Reise geduldig ertragen.
104. Tag - Freitag - 08.08.2014
Die erste Tätigkeit am Morgen war die Betankung der Dieseltanks. Der Tankwart hatte uns zu um 08:00h an seine Wassertankstelle bestellt. Über einen 30 Meter langen Schlauch wechselte der Treibstoff seinen Besitzer. Voll beladen ging es in den Prinz Christian Sund, der schon seit längerer Zeit befahrbar, ohne Eis ist. Das bedeutet eine deutliche Abkürzung und das berüchtigte Kap Farvel wird einfach umgangen, ähnlich wie die Magellan Straße um Kap Horn. Es wird wohl ein Gedrängel im Sund. Drei Yachten befinden sich auf den Weg dorthin und weitere befinden sich sicherlich in Lauerstellung, die auf einen günstigen Start Richtung Westen warten. Die erste Station in der die Nacht verbracht wurde, ist Augpilagtoq. Ein Ort mit 80 Einwohnern, Tendenz fallend. Zwischen hohen Bergen eingeschlossen, und weitestgehend von der Außenwelt isoliert, sind Drogen und Alkohol die einzige Abwechslung. Die Jugend wandert in die größeren Städte ab, oder sie gehen zu den Kolonisten nach Dänemark. Die Mücken, schon fast in Vergessenheit geraten, sind hier heimisch und leisten den Bewohnern in Ihrer Einsamkeit Gesellschaft.
105. Tag - Samstag - 09.08.2014
Den kleinen Hafen im Sund mussten sich drei Schiffe teilen. Am Steg ein Wassertaxi, dann die beiden Segler. Der Schiffsführer, ein Däne hatte den Auftrag um 07:30h einige Bewohner in eines der größeren Städte zu kutschieren. Er selbst lebt in Paamiut. Somit löste sich der Pulk zwangsläufig auf und der Bug der Yacht wurde auf die südlichste felsige Stelle in Grönland, dort wo eine Hand voll Menschen sich ständig aufhalten, der Wetterstation, ausgerichtet. Der kleine winzige Hafen umgeben von Rockies, die nur darauf lauern die Ankömmlinge aus Dänemark und Deutschland aufzuspießen. Der beschwerliche Weg zur Wetterstation über 300 Stufen gen Himmel, wurde gleich in Angriff genommen. Drei Hunde sehr lautstark kündigten die ausgepumpten nur mit Seebeinen ausgestatteten Fahrensleute schon an. Die Station, mit Technikern und Ingenieuren besetzt und nicht mehr mit Meteorologen, nahmen uns in Empfang und spendierten den Ankömmlingen erst einmal Getränke. Mit freien Internetzugang und lokalen Wetterberichten werden wir versorgt, weitere Versorgungsmöglichkeiten gibt es hier nicht.
106. Tag - Sonntag - 10.08.2014
Die heutige Morgengymnastik bestand darin, mit Notebook und Fotogepäck die 300 Stufen zu er-klimmen um einen Wettercheck für die Überfahrt nach Island zu bekommen. Die Belohnung eine Tasse Kaffee und ein Wetter das geeignet ist, nach knapp zwei Monaten die große Kolonie der Dänen zu verlassen. Bei einem Rundgang auf dem Hochplateau der Wetterfrösche führte der Weg über eine Hängebrücke mit schönem Ausblick in alle Richtungen. Danach ging es Stufe für Stufe wieder zurück an Bord. Dort wurden die ersten Vorbereitungen getroffen für die 700 sm, bis Island. Ein gemeinsames Essen mit unseren Nachbarn und Tricks und Tipps an die jungen Leute, denn für sie ist der Nordatlantik, Neuland.
107. Tag - Montag - 11.08.2014
Grönland wird bei typischen Wetter verlassen. Etwas Sonne, etwas Nebel, kein Wind und etwas Kälte. Mit Maschine wird versucht, noch bei Tageslicht die Zugrichtung der Eisberge, sowie deren viele Ableger, nicht mehr zu behindern. Am Abend eine leichte Brise im Zusammenhang mit sehr dichtem Nebel. Ein verirrter sehr großer Eisklotz, nur auf dem Radarschirm zu sehen, verpasste uns nur um wenige Meter. Für Abwechslung sorgte eine Schule von mindestens 20 Walen, die im gleichen Tempo zur „Falado“ ihre Bahn zogen. Sie waren sehr kommutativ mit ihrem piepsigen Stimmorgan. Sie schienen sich angeregt zu unterhalten, oder sie wollten der Besatzung etwas zuflüstern. Im Abstand von nur wenigen Metern zur Yacht, gaben sie den Heimkehrern fast eine Stunde lang die Ehre. Ein Buckelwal schnaufte uns dann etwas später aus Leibeskräften auch noch einen Abschiedsgruß.
108. Tag - Dienstag - 12.08.2014
Die seekrank gefährdeten Besatzungsmitglieder, haben sich mit einem neuen Medikament ver-sorgt. Nun sind sie nicht mehr Seekrank, dafür haben sie nun die Schlafkrankheit und drücken den ganzen Tag ihre Matratzen platt. Der schwache und wechselhafte Wind hält den Rest der Mannschaft in Atem. Mit Segel rauf, Segel runter, schifften und halsen. Am Ende bewegte sich kein Lüftchen mehr. Der so gefürchtete Nordatlantik, ist zurzeit wie ein Tiger ohne Zähne. Würde das Echolot nicht über 3000m Tiefe anzeigen und wäre nicht die langgezogene Dünung, könnte man meinen, sich auf einem Ententeich verirrt zu haben.
109. Tag - Mittwoch - 13.08.2014
Eine ruhige Nacht, mit etwas Kinderwagengeschaukel aber sonst totenstille, bis um 08:20h. Ein leichter Windhauch machte Hoffnung, mit einem gleichzeitigen kräuseln der Wasseroberfläche, dass die Kalmenzeit überwunden wurde. Der Blister, dass Leichtwettersegel wurde aufgezogen und ausgelassen. Mit anfangs gemütlichen 3 sm/h ging die „Falado“ in Fahrt. Die zahlreichen Eis-sturmvögel, die sich um die Yacht herum niedergelassen hatten, machten lange Hälse. Mit ihrer Abstaubermentalität, bei Fischdampfern meistens erfolgreich, gingen sie bei uns leer aus. Nämlich ohne viel Aufwand einen leckeren Bissen zu ergattern. Nachdem die alte Dame "Falado" mit ihren zwei Heimathäfen Uetersen und Borsfleth sich warmgelaufen hatte, drückte sie richtig aufs Tempo. Siebeneinhalb Meilen die Stunde ist für eine 34 Jahre alte Yacht mit einem unmodernen Unterwasserschiff eine beachtliche Leistung, so als wollte sie die verlorene windlose Zeit wieder gut machen. Seit Wochen fällt der erste Regen vom Himmel. Eine von Petrus gesponserte Außenreinigung kann der Segler auch gut gebrauchen. Da hat sich in den Ecken einiges angesammelt was dort nicht hingehört.
110. Tag - Donnerstag - 14.08.2014
Der gute Lauf hält an. Trotzdem ist stets einer mit den Segeln beschäftigt, weil Rasmus die Wind-richtung alle Augenblicke verändert. Beim Großsegel ist eine Reffleine gebrochen, die ersetzt werden musste. Um uns herum beehren uns die Wale seit Mitternacht und den ganzen Tag über. Sie unterhalten die Deckmannschaft in ihrer Sprache, vergleichbar mit gepiepse einer bestimmten Möwenart. Irgendwie hat die SY „Falado“ es ihnen angetan. Sie umkreisen sie und haben sanfte Berührungen mit dem Rumpf. Das ihre Schule wie schon erwähnt, aus mindestens 40 Artgenossen besteht, uns so lange begleitet, habe ich noch nicht erlebt. Aber es ist ein besonderes Erlebnis, wie elegant und mit was für einer Schnelligkeit die Kraftprotze durchs Wasser gleiten. Damit demonstrieren sie eindrucksvoll, wie lahm wir uns vergleichbar mit ihnen fortbewegen.
111. Tag - Freitag - 15.08.2014
Der Nordatlantik macht seinen Namen alle Ehre. Vor zwei Tagen noch ein Ententeich und heute ist die See grob, aufgewühlt und schüttelt so manch einen Seemann an Bord unfreiwillig durch, was sie gar nicht nett finden. Nur bei Flaute geht es ihnen nicht schnell genug und bei Wind stört das Geschaukel. So ist das im Leben, man wünscht sich immer das, was man nicht hat. Es gibt einen kleinen Trost für alle hier an Bord, denn heute haben wir Bergfest. Die Hälfte der Route nach Island ist erreicht. Normal bekommt Rasmus ein Schluck aus der Buddel. Doch bei den Wetterverhältnissen ist die Dosierung nicht ganz einfach. Der Schluck könnte deutlich zu groß werden, dann spielt er womöglich total verrückt. Der Tropfen wird aber nachgeliefert.
112. Tag - Samstag - 16.08.2014
Das unruhige Wetter hat erwartungsgemäß zu erneuten Ausfällen bei den Besatzungsmitgliedern geführt. Die Kombüse ist seit Tagen zugängig für Jedermann weil das Servicepersonal die Schlaf-krankheit hat und das auf dem Nordatlantik und nicht in den Tropen. So hat der Rest der Mann-schaft die Möglichkeit, sich die leckersten Speisen zusammenzustellen. Der Koch wird nach seiner Genesung große Augen bekommen, wenn er seinen Proviantraum betritt und die Sonntagsbraten verschwunden sind. Ein Zwischenhoch mit viel Wind viel Sonne und Tempe-raturen wie sie in Deutschland geherrscht haben, sind jetzt hier angekommen. Bei fast 11°C in der Sonne mussten die liebgewonnen Pullover wegen Schweißausbrüchen schon eingemottet werden. Wenn der Wind auf den letzten Meilen nicht einschläft, könnte es bis Heimaey eine schnelle Reise werden. Aber Rasmus könnte uns noch auf den letzten Kabellängen in die Suppe spucken weil er sehr launisch ist und den Schluck aus der Flasche noch nicht bekommen hat.
113. Tag - Sonntag - 17.08.2014
Aus dem Prinz Christian Sund sind die Dänische und Deutsche SY zusammen ausgelaufen. Eigentlich wollten beide Schiffe nahe beisammen bleiben. Die Yacht aus Jütland motorte die ersten zwei Tage und zog uns davon. Auf der Yacht aus Germany wurde weiterhin fast nur gesegelt weswegen es beinahe zur Meuterei gekommen ist Die Crew wollte, dass ebenfalls gedieselt wird. Der Kapitän mit einem größeren Stimmrecht hatte ein Machtwort gesprochen und gab der Mannschaft zu verstehen, die „Falado“ sei ein Segelschiff und kein Dampfer, deswegen wird jetzt nur noch gesegelt. Über Funkkontakt, bei nicht allzu großer Entfernung konnten die Koordinaten ausgetauscht werden. Der Rückstand der „Falado“ zur „Komeet“ betrug schon über 150 Seemeilen. Doch der Wind nahm zu und die Mannschaft an Bord versprach dem Capitano, wenn wir vor der Dänischen Yacht in Heimaey einlaufen wird er dort zum Essen eingeladen. Das hat ja den Ehrgeiz der Schiffsführung geweckt und der alten Dame,“Carena 36“, die Sporen gegeben. Inzwischen ist die „Komeet“ überholt worden und der Vorsprung wird weiter ausgebaut. Das hochsommerliche Wetter hält weiter an und lässt die Aufbauten, die mit einer Salzschicht überzogenen wurden, trocknen. So braucht das einst teure Gewürz nur zusammengefegt zu werden und landete in den leeren Salzstreuern. Mal schauen, wann der erste Freigänger auf dem Promenadendeck in Badehose erscheint.
114. Tag - Montag - 18.08.2014
Heute Mittag wurde Island nach 7 Tagen und 2 Stunden erreicht. 2011 wurden für die gleiche Strecke noch 12 Tage gebraucht. Hat Island, ein driftendes Land, sich in so kurzer Zeit Grönland so weit genähert, dass nur noch die Hälfte an Zeit benötigt wird, um die Distanz zu überbrücken? Wir lagen keine halbe Stunde am Schlengel, als eine Schweizer „Yacht“ von 14m Länge neben uns einzuparken versuchte. Wir deuteten dem Binnenländer und seiner Frau an, dass der Liege-platz für seine Schiffsgröße zu klein sei. Unbeirrt nahm er Kurs auf den freien Platz. Ein massiver Eisenpfahl war das erste Opfer den er mit seinem zusammengeschusterten Seelenverkäufer aus Stahl umzufahren versuchte, weil er im Wege war. Der starke auflandige Wind verkeilte den Schrotthaufen zwischen der einen, und der gegenüberliegenden Bootsreihe so, dass er fest saß. Das leidtragende Boot das seine Querfahrt zum Stoppen brachte war die „Falado“ auf der gegenüberliegenden Seite zwei einheimische Boote. Der Chaoten Schipper wusste sich aber zu helfen. Mit dem Hebel auf den Tisch (Vollgas) voraus und dann zurück verschaffte er sich Platz. Dabei war es ihm egal, dass unsere Windsteueranlage Paulinchen ihre schöne Form verlor und Windschief ein trauriges Dasein bot. Mit voller Kraft Voraus ging das Drama weiter. Der Platz viel zu schmal für das zusammengeschusterte Objekt, setzte seine zerstörerische Fahrt wider aller Vernunft fort und drückte den Bug dank seiner PS starken Maschine in die ausgewählte Lücke, wobei dieses Mal der neue Außenbordmotor, der leidtragende war und von einen seiner vier hervorstehenden Anker zerlegt wurde. Die Fender sonst ca. 25cm Durchmesser wurden so stark zusammengepresst, dass sie nur noch Briefmarkenformat besaßen Von Einsichtigkeit des Schweizers danach keine Spur sodass die Polizei sich der Sache annehmen musste. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren wollten wir der „Falado“ ein weiteres Leiden ersparen und versuchten mit unseren 42 PS Diesel uns von dem Nachbarn zu befreien. Die Pressung der beiden eingeklemmten Schiffe zwischen den Stegen war so heftig, das kein vor und zurück möglich war. Mit freiwilligen Helfern und verschiedenen Tricks gelang das Unmögliche, die Befreiung der „Falado“ aus der Umklammerung und die Entfernung von dem Unikat. Nun wird die Heimfahrt noch richtig spannend und aufregend werden.
115. Tag -Dienstag - 19.08.2014
Nach sieben Nächten konnte einmal so richtig ausgeschlafen werden. Keine Störung durch unter-schiedlichste Meldungen von der Besatzung an den Capitano während seiner Ruhezeiten. Deshalb trabte die ganze Mannschaft entspannt im Gänsemarsch, jeder mit einem Sack voller geruchintensiver Wäschestücke auf den Rücken in den nächsten Waschsalon. Am nächsten Tag soll sie gewaschen und gebügelt der Bordbesatzung wieder zur Verfügung stehen. Auf dem Rückweg wurde die Polizeiwache aufgesucht, um den Unfallbericht mit den Unterlagen des Rambo-Skippers abzuholen. Der Nachmittag wurde gebraucht, um den Bericht für die Versicherung zu erstellen, damit die Reise mit der angeschlagenen „Falado“ fortgesetzt werden zu kann.
116. Tag - Mittwoch - 20.08.2014
Das die Reise noch so stressig werden würde konnte wirklich nicht erahnt werden. Ein Schriftverkehr mit der Schweizerischen Versicherungsgesellschaft Winterthur nimmt viel Zeit in Anspruch und der Ausgang mit dem Versicherer fast immer ungewiss. Nach Verlassen der Inuiten Insel glaubte man, solche Vorkommnisse achteraus gelassen zu haben. Ein so brutales Verhalten sucht seines Gleichen. Kein Bedauern oder eine Entschuldigung von dem Chaos-schipper an die geschädigte Yacht Crew. Zur Entspannung ging es abends ins Schwimmbad in die 40 – 42°C warmen Hotspots.
117. Tag - Donnerstag - 21.08.2014
Noch immer kein endgültige verbindliche Zusage der Schweizer Versicherung. Ein weiterer Tag Zwangsaufenthalt in Heimaey. Der Anruf aus Zürich hat uns nun auf Morgen vertröstet. Mit je einen Großen Beutel frisch riechender Wäsche aus dem Waschhaus trabte die Mannschaft einige Schritte des Weges Richtung Hafen. Ein Lieferwagen stoppte mit einer Vollbremsung neben uns. Der Fahrer fragte wohin es gehen sollte und sagte nur kurz: „ Steigt ein ich fahre euch dorthin.“ Der nette Herr ist Unternehmer auf der kleinen Vestmannaeyjar Insel und erkannte sofort dass wir Seeleute sind, vermutlich an den breitbeinigen Gang, den die Mannschaft sich angewöhnt hat und jeder für sich den ganzen Bürgersteig beanspruchte. Die Innenreinigung wurde anschließend vorgenommen. Sie war schon lange überfällig. Nun glänzt die Yacht zu mindestens wieder im Wohnbereich.
118. Tag -Freitag - 22.08.2014.
Nach spannenden Minuten und Stunden endlich die erlösende Nachricht von der Schweizer Versicherung, dass wir auslaufen können. Paulinchen hat durch die Beschädigung ausgedient. Fast 50.000 Seemeilen, laut Logbücher, hat sie die „Falado“ über die Meere gesteuert. Nun muss die Mannschaft den Job übernehmen. Für den Rudergänger heißt es nun selber Kurs halten und das bei jedem Wetter. Der Südwester tief im Nacken verankert, hält die überkommenden Brecher ein wenig ab, der Rest von der salzhaltigen Flüssigkeit wird einfach abgeschüttelt. Bis zu den Farøer Inseln sind es 400 Seemeilen. Der kräftige Wind aus West treibt die Yacht vor sich her, sodass ein gutes Etmal zu erwarten ist. Laut der Wetterfrösche soll das Wetter so anhalten. Dann könnte es wieder eine schnelle Etappe werden. Zur Verabschiedung hat Island den Deutschen Segler noch mit Vulkanasche bepudert. Nun wird gehofft, dass baldiger Regen wieder klar Schiff macht.
119. Tag - Samstag - 23.08.2014
Bei dem achterlichem Wind bieten die Segel keine Stütze, nur Vortrieb nach vorn. Dadurch wird die Yacht in rollende Bewegungen versetzt, wobei sie stark nach Backbord und Steuerbord kränkt. Das hat einen Teil der Mannschaft stark zugesetzt. Nur schwer konnten sie den vorgegebenen Kurs am Kompass halten. Neben sich den Eimer für Erleichterung und dann immer wieder den Blick auf die Magnet Nadel. Da denkt ein Jeder gern an Paulinchen zurück, die auch bei Schietwetter ohne Seekrankheit ihren Dienst verrichtet hat. Vor zwei Tagen konnte nachts in Heimaey das Nordlicht beobachten werden. Es sollte auch die nächsten Tage erscheinen, worauf die Besatzung an Bord ein wenig hofft. Doch in der letzten Nacht war der Himmel mit einem Rollo aus Wolken zugezogen, sodass ein freier Blick gen Himmel nicht möglich war. Das Abendmahl am heutigen Tag war etwas Besonderes. Es gab Lamm Filet aus Island. Sie haben dort eine besondere Schafrasse deren Fleisch besonders zart und wohl schmeckend ist. Als Nachspeise aus dem Supermarkt richtige Dickmilch mit Zucker wie zu alten Kindheitszeiten.
120. Tag - Sonntag - 24.08.2014
Petrus hat ein Einsehen mit der „Falado“ Crew. Der angesagte kräftige Wind ist bisher noch nicht eingetroffen und das sonnige Wetter begleitet uns weiterhin. Der Rudergänger ist dankbar, weil er sein Ölzeug nicht aus der Seekiste kramen muss. Die Stammbesatzung an Bord ist allerdings über die Nachwuchskadetten geschockt. Mit freier Entscheidung aber mit falschen Vorstellungen haben sie auf dem Windjammer angeheuert. Für den Dienst auf einem Segelschiff sind sie völlig ungeeignet. Wenn Arbeiten auf dem Vorschiff anfallen und sie gebeten werden mit anzupacken, schauen einem weit aufgerissene Augen an: „ Käpten, ich bin dazu viel zu müde und seekrank bin ich auch. Außerdem schaukelt das Schiff, dann kann ich das so wie so nicht“. Bei absoluter Flaute oder im Hafen, bewegen sich die gleichen Aspiranten über Deck mit steifen Knien, als hätten sie Holzbeine und die Hosen voller Wackersteine. Bei Backschafts Arbeiten wird das Geschirr ins Spülbecken gelegt und unbearbeitet wieder heraus geangelt. Zu Hause, so berichten sie wandert der Kram in die Spülmaschine, anders kennen sie es nicht. Arbeiten mit dem Besen versetzt einem schon in Verwunderung, dass sie nicht fragen was die Borsten am Gerät zu bedeuten haben. Der Dreck wird allerdings nur gleichmäßig verteilt, eine Schaufel ist überflüssig. Ohne sich zu bewegen, wie eine Statue, wird die Wachzeit auf der Brücke aus gesessen um danach schnell wieder in die Koje ab zu tauchen. So könnte ich den ganzen Tag fortfahren, ändern würde es nichts. Nur muss man sich ernsthafte Sorgen machen, um den Nachwuchs auf Deutschen Segelschiffen
121 Tag - Montag - 25.08.2014
Am Ende der Reise nach Tórshavn ging dem Wind die Puste aus, sodass ca. 25sm motort werden musste. Dafür empfingen uns ein Traumwetter und das auf den Farøer Inseln, wo der Regen eigentlich zu Hause ist. In Tórshavn treffen sich viele Heimkehrer aus Grönland und Island. Eine Deutsche 45 Fuß Yacht und eine Dänische Yacht haben mit einem Tag unterschied Heimaey verlassen, wobei eine Yacht aus Jütland überfällig ist. Sie sind schon einen Tag vor uns gestartet. Die andere größere Deutschen Yacht hat den Hafen zwei Stunden vor uns angelaufen. Ihr ist auf dem Törn die große Genua zerfetzt. So hat jeder seine großen und kleinen Probleme, mit denen er sich herumschlägt.
122. Tag - Dienstag - 26.08.2014
Die erste Nacht in Tórshavn war sehr erholsam. Das Schlafdefizit der letzten Tage wie weggeweht. Ein Bad in der örtlichen Badeanstalt und schon war die Welt für die Seekadetten wieder in Ordnung. Doch ein Blick auf die Wetteraussichten und schon ging das Stimmungs-barometer wieder steil nach unten. Wind aus Ost mit einem kräftigen Sturmtief in der zweiten Wochenhälfte und ebenfalls mit Wind aus östlicher Richtung. Der einzige Trost, die „Falado“ sie liegt gut geschützt am soliden Schlengel und sicher vor dem „Zerstörer“ aus der Schweiz, falls der hier einlaufen sollte.
123. Tag - Mittwoch - 27.08.2014
Zurzeit sind die Umweltaktivisten Sea Shepherd aktiv auf den Farøer Inseln tätig Die Insulaner gehen nicht zimperlich mit den Walen um. Sie treiben sie in die Bucht und schlachten sie ohne Gnade einen nach dem anderen ab. Sie entledigen sich so von ihrer Konkurrenz, die nach ihrer Auffassung den Fischbestand dezimiert. Die Aktivisten verfügen über Schiffe, deren Bug so verstärkt sind, womit sie die Treiberboote der Farøer rammen und versenken könnten. Die Einheimischen sind natürlich nicht gut auf sie zu sprechen, um es genauer auszudrücken, sie sind stinke sauer. Wenn sie ihre Aufgabe hier erfüllt haben, geht es nach Japan. Die Japaner sind noch eine Stufe brutaler. Dort sind in der Vergangenheit schon einige Fischdampfer von ihnen versenkt worden. Einige Besatzungsmitglieder von drei Yachten haben sich zu einer Angeltour zusammengefunden und ihr Glück vor der Hafeneinfahrt versucht. Nach einer Stunde kehrten sie schon wieder zurück. Sie hatten in der kurzen Zeit so viele Fische in ihren Körben, dass sie den ganzen Hafen mit ihren Fängen versorgen konnten. Ein gemeinsamer Grillabend am Steg, wobei jede Yachtcrew Beilagen dazu steuerte und an Bord der Deutschen Yacht „Mariposa“ ein gemütlicher Abend sein Abschluss fand. Ein Ehepaar aus Deutschland, verbrachte ihren Urlaub auf den Farøer Inseln. Sie waren so angenehm überrascht über das, was die Inseln an Sehenswürdigkeiten zu bieten haben. Bei dem kurzer Besuch an Bord der „Falado“ zeigten sie großes Interesse an unserer Reise und beabsichtigen beim Empfang in Uetersen, am 21. September, mit von der Party zu sein.
124. Tag - Donnerstag - 28.08.2014
Mein Freund Birgir Enni, Schonerkapitän, der seine Gäste, wie schon beschrieben, auf seinem Wind-jammer kräftig durch schaukelt, erstattete der „Falado“ nachdem er uns entdeckt hatte, eine Besuch ab. Mit einem Topf, gefüllt mit seiner köstlichen Fischsuppe, beglückte er die Mannschaft wie schon so oft zuvor. Sein Sohn, Kapitän auf großer Fahrt ließ sich auch nicht nehmen uns zu beehren. Er gab mir tolle Tipps, die Zeit der heranrückenden Stürme zu nutzen, um mit dem eigenem Schiff lohnenswerte Ziele der Inselgruppen anzulaufen. Auf dem Nachbarschiff, der „Komeet“ aus Dänemark, hatte der Maschinist der „Falado“ eine Aufgabe zu lösen. Die Maschine, ein BMW Triebwerk, ließ sich nicht mehr abstellen. Die Ursache, ein eingedelltes Rohr mit einer Schubstange darin, blockiert das Magnetventil. Eine Lösung ist noch nicht wirklich in Sicht. Fortsetzung folgt Morgen. Ein gemeinsames Resteessen fand dann am späten Abend auf dem Segler aus Uetersen / Borsfleth statt.
125. Tag - Freitag - 29.08.2014
Das BMW-Triebwerk unseres Nachbarn macht mir langsam Kopfzerbrechen. Noch immer konnte das Problem mit dem Magnetschalter nicht gelöst werden. In einem großen Baumarkt, wo jeder Hausbesitzer gerne seine gesamte Freizeit verbringen würde, wurden auch wir fündig und konnten dort die defekten Teile beziehen. Birgit Enni, das bekannteste Unikat auf den Färöer Inseln, lud uns zu einer Nachtfahrt auf seinen 75 Jahre alten Schoner ein. Die Nachbarinsel Nolsoy war das Ziel, wohin er seine zahlenden Gäste kutschierte. Wir sollten ihn ein wenig beim An– und Ablegen unterstützen und die 6 Kinder ebenfalls an Bord, mussten ja auch betreut werden. Zur Belohnung gab es am Ende der Reise ein Fischgericht, welches er für alle Anwesenden selbst zubereitet hatte. Feuchtfröhlich endete die Ausfahrt in der Messe. Für einige, die die Seekrankheit nicht bezwingen konnte, schafften es die Bordgetränke.
126. Tag - Samstag - 30.08.2014
Ein unspektakulärer Tag ohne Höhepunkte. Die Maschinisten der „Falado“ haben das BMW Triebwerk noch einmal unter die Lupe genommen um das Problem mit der Abstellung in den Griff zu bekommen. Es ist vor Ort nur möglich, eine provisorische Lösung anzubieten, damit die Maschine nicht so lange laufen muss, bis der Tank trocken ist. Da haben sich die Ingenieure in München nicht gerade mit Ruhm bekleckert und sie vermutlich am Neujahrmorgen konstruiert. Im ähnlichen Zustand wie einige Begleitpersonen nach der Schonerausfahrt am nächsten Tag.
127. Tag - Sonntag - 31.08.2014
Heute gab es wieder einen großen Topf von der begehrten Fischsuppe. Yachten aus Dänemark wurden ebenfalls damit beglückt. Birgir, Ennis Sohn hat von seinem Vater, früher Taucher von Beruf, diese Fähigkeit vermittelt bekommen. Mit diversen Säcken voller Riesen Miesmuscheln, die um die 20 cm Länge aufwiesen, und ein Alter von 50 Jahren hatten, kam er an Bord des Schoners. Sie mussten von Seepocken und anderem Bewuchs befreit, ausgenommen, die Schalen ausgekratzt und gereinigt werden. Da sie eine Bestellung für gut betuchte Kunden waren, die, so wie er sagte, anscheinend Öko - statt Pharmasex bevorzugen, bat er die Fisch-suppen Empfänger ihm dabei zu helfen. Nach zwei Stunden war die Sklavenarbeit geschafft und der Rogen mit den Schalen fein säuberlich versandfertig. Als Belohnung gab es Seeigel. Der Inhalt, ein gefestigter rotbrauner Brei schmeckte besser als der Inhalt der glibberigen Austern. Später am Abend genoss die Mannschaft das Wetterkonzert aus Sturzregen und Sturm im sicheren Hafen, vom wasserdichten Salon aus. Es ist das vierte Sturmtief nacheinander, dass unsere Weiterfahrt behindert. Nun wird gehofft, dass Rasmus sich ein wenig entspannt und mal eine Pause einlegt.
128. Tag - Montag - 01.09.2014
Die Wettervorhersagen ändern sich fast stündlich. Eben noch zuversichtlich, kommen etwas später neue Hiobsbotschaften von den Wetterprogrammen. Dennoch wird der morgige Tag der letzte auf den Färöer Inseln sein. Das Proviantlager durch die lange Liegezeit arg geschrumpft, wurde schon mal vorsorglich mit frischen Sachen befüllt. Die Mannschaft erhielt die Anweisung früh in die Federn zu schlüpfen, damit sie nicht schon beim Ablegen schwächelt.
129. Tag - Dienstag - 02.09.2014
Ein schon fast vergessener Weckruf „Reise Reise“ schalte durch die Gänge der „Falado“. Mit fragenden Blick schauten mich die aus dem Schlaf gerissenen noch sehr zerknitterten Gesichter an: „Geht das nun wirklich los, ist da nicht büschen zu viel Wind?“ Die Antwort: „Hier wird nicht geschwächelt, rein ins Ölzeug mit euch, Schwimmwesten anlegen und dann ab an Deck.“ Eine halbe Stunde später pflügte die „Falado“ hoch am Wind durchs Wasser mit Ziel Shetlandinseln. Die überkommenden Seen spülte die letzte Müdigkeit der Mannschaft über Bord. Ebenso hatte man schon fast vergessen, dass es Reviere auf dem Wasser gibt, wo es ohne die vielen Pellklamotten möglich ist, zu segeln. Routinemäßig, fast statisch wird das viele Unterzeug angelegt und wundert sich über Schweißausbrüche. Ein Blick aufs Thermometer gibt Klarheit, dass sich keiner ernsthafte Sorgen um seine Gesundheit machen muss.
130. Tag - Mittwoch - 03.09.2014
Die von den Pharmaprodukten geschwächten Segeltörnbegleiter haben es geschafft 16 Stunden am Stück die Matratzen zu belagern. Danach standen sie auch nur für kurze Zeit für den Wachdienst zur Verfügung mit der Begründung: „Käpten, ich muss abgelöst werden, ich bin so was von müde, mir fallen einfach die Augen zu.“ Was soll man da sagen. Vermutlich befürchten sie, Ihre Koje könnte sich wieder abkühlen. Da sind mir die Seekranken doch lieber, als das die Pillendreher mit viel Profit das Problem der Betroffenen nur verändert aber nicht verbessert. Hart am Wind, aber mit viel Speed, kämpft die Alte Dame sich Meile für Meile durch die raue See voran. Die letzten Nächte waren nicht mehr frostig, dafür aber sehr dunkel. Das diesige Wetter gab einen ersten Blick auf die Shetlandinseln frei, und prompt schlief der Wind ein. Das vorläufige Resümee dieses Törns; Eine stürmischen Reise mit einer endenden Flaute. Innen wie außen ist die Yacht dick eingepökelt und von den langen Wachgängen verspürt die Stammbesatzung eine bleierne Müdigkeit in den Knochen.
131. Tag - Donnerstag - 04.09.2014
Um 08:00h wurden die Leinen in Lerwick, auf der Insel mit dem Namen Mainland der Shetlandinseln, am Steg befestigt. Durch die langen Wachzeiten stolperten ein Teil der Besatzung nur noch so über Deck. Der am Steg liegende Wasserschlauch verlieh ihnen neue Energie, denn es war die Möglichkeit vorhanden, sich von dem verirrten Meersalz an Deck, den Aufbauten und den Offshorezeug, zu trennen. Mit hohem Druck wurde es abgelöst und wieder seiner Bestimmung übergeben. Danach fiel man sofort mit Vollzeug in die Koje. Am Nachmittag war der Blitz, Seemannsbetitelung für den Elektriker, an Bord mit Reparaturarbeiten gut ausgelastet. Die Kompassbeleuchtung brachte gestern Abend pünktlich zur einsetzenden Dunkelheit nur noch schwarzes Licht. Des Rätsels Lösung, die Kompassaufnahme war gut gefüllt mit reinstem Seewasser, was sich unberechtigter Weise Zugang verschafft hatte. Einige Leuchtstoffröhren sind bei dem letzten harten Ritt durchs Wasser ebenfalls verendet. Auch sonst gab es für jedes Gewerk reichlich Gelegenheit sich zu beweisen.
132. Tag - Freitag - 05.09.2014.
Der Tag war noch keine 8 Stunden alt, die Augen noch nicht an die Helligkeit gewöhnt, wurde der Thron bestiegen, um sein Morgengeschäft zu erledigen. Als das, was man bei kleinen Kindern sagen würde, hast du fein gemacht, entsorgt werden sollte, versagte die Mechanik. Nun war guter Rat teuer. Zwar war man erleichtert, aber ein großes Problem damit geschaffen. Eine halbe Stunde später lagen die Einzelteile der Toilette zerlegt auf den Flurplatten, ohne eine Störquelle entdeckt zu haben. Die Ursache war außerhalb zu finden. Etwas blockierte den Ansaugstutzen, ein neugieriger Fisch oder was sonst auch immer konnte nicht ermittelt werden, weil sich die Blockade tief unter Wasser befand Mit Pressluft aus der Lunge konnte der Fremdkörper nach mehreren Versuchen beseitigt werden. Nach dem verdienten Frühstück wurde unter Deck klar Schiff gemacht. Mit Putzeimer und Schrubber wurde die hereingetragene Salzlake vom letzten Seetörn auf den Leib gerückt. Ein glanzvolles Ergebnis war der Lohn der Arbeit. Eine nötige Selbstreinigung fand später in einer gepflegten öffentlichen Toilette mit Duschmöglichkeit statt.
133. Tag - Samstag - 06.09.2014
Ein hochsommerlicher Tag auf den Shetlandinseln wurde uns noch einmal präsentiert. Ein Orts-rundgang mit anschließendem Besuch in der Bibliothek füllte den Vormittag aus. Dort steht schnelles Internet für Jedermann zur Verfügung, vorteilhaft für einen Wettercheck. Wenn Petrus seine Meinung nicht urplötzlich ändert, hat die Schiffsführung an Hand der neuesten Infor-mationen beschlossen, am Montagmorgen in See zu stechen. Die Dänische SY „Komeet“ liegt ebenfalls im Hafen und ist einen halben Tag nach uns hier angekommen. Mehrfach war die komplette Segelcrew aus Deutschland bei den sympathischen jungen Leuten zu Gast. Deshalb wurden sie zum Käptensdinner an Bord der “Falado“ geladen. Notwendige Einkäufe dafür wurden weit außerhalb des Ortes auf der grünen Wiese getätigt. In der mit frischen Sachen zug-emauerten Kombüse wurden gegen Abend die Köstlichkeiten gewaschen, geraspelt, geschnitten und gekocht. Auch wenn die Kombüse danach einem Schlachtfeld glich, landete der fertige Auflauf sicher im Ofen und die Arbeitsstätte des Aushilfskochs wurde noch vor Eintreffen der Gäste frisch renoviert. So konnte das von Meisterhand gefertigte Mahl genossen werden und es wurde nicht mit Lob gegeizt. Der selbst gefertigte Schokoladencocktail war noch eine zusätzliche Überraschung. Ein gemeinsamer Ausflug rundete den Abend bei sternenklarem Himmel und lauem Lüftchen ab.
134. Tag - Sonntag - 07.09.2014
Ein unüberhörbares Knarren und zerren der Festmacherleinen und zusätzlich starker Regen der sich über Deck und Aufbauten ergoss scheuchte die Stammmannschaft aus ihren Kojen um einen Blick nach außen zu werfen. Die Yacht durch den seitlichen Windeinfall kränkte über 10° und der Wind heulte erbärmlich in den Wandten. Zusätzliche Leinen mussten ausgebracht werden, damit die Yacht sich nicht einfach auf und davon macht. Die Abfahrt morgen früh soll trotzdem planmäßig stattfinden. Bis spät Nachmittags hielt der Sturm an, dann ging ihm die Puste aus und er schlief schlagartig ein. Einige Bordangehörige waren froh darüber, dass die großen Supermärkte auch sonntags geöffnet haben. So konnten sie ihre letzten versäumten Einkäufe doch noch tätigen.
135. - Montag - 08.09.2014
Um 05:00h aufstehen. Ein kräftigendes Frühstück, dann hieß es wieder einmal, Leinen los und ab ging es hinaus auf See. Der kräftige von achtern in die Segel einfallende Wind, schob die „Falado“ so schnell durchs Wasser, dass einige Crewleute sich eilig in ihre Kojen verzogen und ihnen beim Schnarchen Hören und Sehen verging.
Die Crew der „Komeet“ Signe und Morten haben ca. 1 Std. vor uns abgelegt. Sie sind seit einem Jahr mit ihrer Yacht unterwegs und sind ebenfalls auf Heimreise Richtung Kopenhagen. Der Bordhund, ein Border-Collie, übrigens ein sehr hübsches und schmusiges Tier, hat sie die ganze Reise geduldig begleitet und ist wohl der Glücklichste im Dreier Team endlich wieder festen Boden unter den Läufen zu haben. Nach 5 Std. hatte die nicht zu bremsende „Falado“ die etwas größer „Komeet“ eingeholt. So fand noch ein Fotoshooting bei rauer See statt, im Mittelpunkt die beiden Yachten.
136. Tag - Dienstag - 09.09.2014
Die KO-Präparate der Gästecrew gehen zur Neige. Es besteht berechtigte Hoffnung, sie am Ende der Reise häufiger zu Gesicht zu bekommen. Bei der Besatzungsstärke auf dem Windjammer „Falado“ könnte es sein, dass einer von denen als blinder Passagier gelistet wird, weil sein Erscheinungsbild bei der Schiffsführung unbekannt ist. Der Nordwind weht weiterhin fleißig und bringt uns gut voran. Regen und Sonne geben sich die Türklinke in die Hand, sodass das Ölzeug ständig getragen werden muss und so dem Abnutzungsprozess ausgesetzt ist, und nicht schonend am Nagel verbleiben kann, so wie es fast 2/3 der Reise der Fall war. Sonst wurden am heutigen Tag keine weiteren eintragungs- relevanten Vorkommnisse im Logbuch vermerkt.
137. Tag - Mittwoch - 10.09.2014
Die schöne Zeit auf See, ohne Hindernisse wie auf dem Nordatlantik ohne Schiffsverkehr, ist vorbei. In der letzten Nacht klarte der Himmel auf und der fast Vollmond leuchtete, nein er blendete so stark, dass einiges erst sehr spät erkannt wurde. So zog ein großer Massentransporter mit Urlaubern eine halbe Meile vor unserem Bug vorbei, der trotz seiner vielen Lichter durch die helle Mondlaterne schwer sichtbar war. Der Bohrturm Parcours, Gas und Öl, verlangen ohnehin äußerste Aufmerksamkeit, um nicht negativ in den Geschichtsbüchern zu landen. Der schnelle Ritt auf dem Wasser war nachmittags erst einmal wegen schwächelnder Winde unterbrochen. Ein Vergleich aller Segel bei den neuen Bedingungen, die gegen den Blister antreten mussten unterlagen dem 100 m² leichten Tuch. Deshalb wurden sie aus dem Rennen genommen und eingepackt.
138. Tag - Donnerstag - 11.09.2014
Die Nordsee, auch Mordsee genannt, wird sicherlich den Schrecken verlieren bei den Veränderungen die in den letzten Jahren und in der Gegenwart passieren. Waren es anfangs nur die Gas und Ölbohrtürme im nördlichen Bereich, wird die Wasseroberfläche weiter südlich mit Windmühlen zugepflastert. Als nächstes wird die See wohl farbig gestaltet mit Grünanlagen und Blumenkästen. Jedenfalls werden Verhältnisse geschaffen, die bei unsichtigem Wetter ohne Radar, den in Grönland nichts nachstehen, statt Eis eben Stahl. In der letzten Nacht befuhren unzählige Frachtschiffe das von uns befahrene Revier. Sie alle hielten einen respektvollen Abstand zu uns, sodass die Signalpistole im Halfter bleiben konnte. 17 sm vor Helgoland, direkt auf unserer Kurslinie wird erneut ein riesiger Windpark errichtet. Ein Wachhund in Form eines Schiffes mit ausländischer Besatzung empfing die Heimkehrer und bat mehrfach in Englischer Sprache mit starkem Russischem Akzent die Begrenzungstonnen portside zu umfahren und wich uns nicht von der Seite. Da werden Windparks und andere Großobjekte auf deutschem Boden errichtet mit billigen ausländischen Arbeitskräften. Wo bleibt das know how der inländischen Fachkräfte. Die zu umfahrenen Tonnen sind auf den im Frühjahr erhaltenen Karten nicht verzeichnet. So Man merkt man doch gleich, dass das deutsche Hoheitsgebiet erreicht worden ist. Wo auf der Welt wird man sonst schon so fürsorglich „ umsorgt“.
139. Tag - Freitag - 12.09.2014
Morgens 03.10h hat sich der Kreis unserer Segeltour geschlossen. Helgoland war am 01.05. der Aus-gangs - und am und am 12.09. der Ankunftsort in Deutschland. Nun sind ein paar Tage Erholung auf dem roten Felsen angesagt, damit das verlorene Körperfett ersetzt wird und kein Zweifel an der Identität der heimkehrenden Personen im Ankunftsort Uetersen am 21.09. um 15:00h besteht. Im Café' wurde mit einem dicken Stück Torte bei Sonnenschein und Meeresblick schon einmal der Anfang gemacht und zum Einschlafen gab es am Abend einen echten Helgoländer Eiergrog.
140. Tag - Samstag - 13.09.2014
Seit langem mal wieder eine ungestörte Nachtruhe die auch genossen und ausgekostet wurde. Zum Frühstück gab es seit langem mal wieder frische Brötchen, was für ein kulinarischer Genuss. Ein Inspektionsrundgang im unteren Inselbereich bei ungewohnt hohen Temperaturen, die das Blut zum Kochen brachte, wurde mit der „Falado“ Mannschaft unternommen. Ein kühles Getränk in einem schattigen Lokal war danach dringend erforderlich. Der Blitz an Bord musste mal wieder aktiv werden. Die Positionslampen ließen sich nur noch mit leichten Schlägen, sozusagen mit einer Hammerschaltung aktivieren. Durch die akribisch abgedichteten Fassungen, hatte sich trotz aller Sorgfalt Seewasser angesammelt und zerstörerisch gewirkt. Auch das Problem wurde mit Bordeigenen Mitteln behoben, sodass die Küstenwache, Wasserschutzpolizei oder die Fischereiaufsicht, alle für das Wohl der Wassersportler zuständig, keinen Anlass haben, unseren letzten Törnabschnitt zu stoppen. Am Abend wurde auf dem Oberland der höchste Berg des Kreises Pinneberg, der „Pinneberg“ erklommen. Völlig erschöpft und wieder zurück an Bord krochen alle Gipfelstürmer, sofort in ihre Kojen.
141. Tag - Sonntag - 14.09.2014
Die Schönwetter - Phase ist zu mindestens erst einmal unterbrochen. Durch die dicken Wolken mit leichtem Regen fühlt man sich in nördlichere Breiten zurückversetzt. Einzig die angenehmen Tempe-raturen, die ein Aufstehen nicht so schwer fallen ließen. Ein ortskundiges Vereinsmitglied, gebürtiger Insulaner, in der Welt auf Berufsschiffen viel herumgekommen, gab uns Nachhilfeunterricht über die Insel und das was um sie herum passiert. Der Windpark vor Helgoland ist ein finanziertes Internationales Projekt. Die Arbeiter werden morgens mit Katamaranen zu den Windrädern transportiert und abends spät wieder abgeholt. Sie wohnen in Hotels die für die nächsten 30 Jahre fest von den Betreibern angemietet wurden und nicht mehr für den Urlauber zur Verfügung steht. Weitere Informationen über Dimension der U-Boot Bunker und die Probleme mit der Räumung der gesprengten Überreste. Des Weiteren tolle Tipps, wie die Wartezeit bis zur Windänderung für uns genutzt werden kann.
142. Tag - Montag - 15.09.2014
Heute Nacht, bis weit in den Morgen hinein verpasste Petrus den Yachten im Hafen eine kostenfreie Generalreinigung. Kein Salzkorn wurde um die Mittagszeit mehr im Außenbereich gefunden. Ungewöhnlich für die Sailors, nach dem großen Regen, das schwül warme Wetter. Große Heldentaten wurden heute deshalb nicht vollbracht. Wie sich das Verhalten der jungen zu den älteren Besatzungsmitgliedern verändert hat, ist unübersehbar. Ist die Yacht in Fahrt sind die jungen Überseetransportbegleiter sehr anfällig. So wie es anfängt zu schaukeln, machen sie einen großen Bogen um die Messe und hungern sich in den Schlaf. Sowie aber Landgang möglich ist, wird zunächst dem Koch in die Töpfe geschaut und mit krauser Stirn bekundet, „ Käpten wir melden uns ab und schauen mal was an Land so geboten wird.“ Da sitzen die alten Kap-Horniers unter sich und verstehen die Welt nicht mehr. Schimpfend kehren die Restaurant Tester wieder zurück und stöhnen: „War ganz schön teuer und geschmeckt hat es auch nicht.“ Ein schadenfrohes Grinsen der an Bord gebliebenen ließ sich häufig schwer vermeiden. Prompt kam die Antwort der Alten wie im Chor: „Uns hat das hier geschmeckt und teuer war es auch nicht!“
143. Tag - Dienstag - 16.09.2014
Jeden Morgen erlebt man die Geburt eines neuen Wetters, sozusagen ein Unikat. Heute wird die Mannschaft mit warmen Sonnenstrahlen aus ihren Kammern gelockt. Der Himmel strahlt tiefblau, keine dunklen Wolken weit und breit zu sehen. Mäßige Dünung läuft in den Hafen und verwöhnt die Crew mit leichtem angenehmen schaukeln. Auf der Insel wird es nicht langweilig. Täglich kommen neue Gäste und Yachten die für Abwechslung sorgen. Ein zwei Mast Vollschiff aus Polen mit einer Vielzahl Jugendlicher Männer und Frauen turnten in der Takelage in den Rahen herum um zum Teil neue Segel anzuschlagen. Der Bootsmann ging seiner Tätigkeit nach und spleißte das dazu gehörige Tauwerk. Ein Teil der Mannschaft zog es aufs Oberland zu den Bass -Tölpeln um die 20.000 Fotos der Reise voll zu machen. Der Rest trieb sich im Unterland herum um die Tagesgäste zu unterhalten. Am Abend wurde noch einmal der Helgoländer Eiergrog getestet in einem anderem Lokal. Das Getränk konnte nur mit einer glatten 5 benotet werden. Es bestand aus heißem Wasser mit Fuselstoff als Beigabe und einer künstlichen Schaumkrone. Das Lokal wurde wie sich im Laufe des Abends herausstellte von dubiosen Leuten geführt, vermutlich Tschechen.
144. Tag - Mittwoch -17.09.2014
Die erste Amtshandlung heute Morgen war die Ansteuerung in einem Bootsladen. Zwei Ruckdämpfer wurden geordert und sofort an den Vorderleinen befestigt. Sie sollen die nächsten Nächte für etwas mehr Ruhe sorgen und das ruckartige Gezerre der Leinen unterbinden. Der steife Ostwind, der abends und nachts regelmäßig zulegt, lässt die Schiffe im Hafen ganz schön heftig herumtanzen. Die Arbeit war gerade beendet, beehrten uns zwei Wandergesellen an Bord, die gestern Abend ebenfalls im Lokal den gepanschten Eiergrog konsumiert hatten. Eine junge Tischlerin und ein junger Zimmermann verschlug es für ein paar Tage auf die Hochseeinsel und waren neugierig, wie so ein Segelschiff funktioniert. Nach einem Cappuccino, der Schiffs-besichtigung und eine Menge Erklärungen von Seiten der Fachleute an Bord zogen sie beeindruckt weiter. Ein sonniger Erholungstag fand im Internetkaffee auf der Terrasse mit Blick auf die Nordsee seinen Ausklang.
145. Tag - Donnerstag - 18.09.2014
Der Aufwand mit den Dämpfern war ein voller Erfolg. Mit weichen Bewegungen wurde die Yacht nun in den Leinen gehalten und das harte brutale Gezerre ist nun Geschichte. Inzwischen sind wir hier auf Helgoland bekannt wie bunte Hunde. Scheinbar ist unser Segeltörn wie im Schneeballverfahren weitergetragen worden. Die Frage, die ich dann oft an die Informierten gestellt habe, „Woher wisst ihr das denn?“ Kommt zur Antwort: „Auf Helgoland ist Jeder auf dem gleichen Wissensstand, da behält keiner seine Information für sich“. Wird Zeit die Anker zu lichten, bevor wir hier noch eingebürgert werden. Heute hat die Schiffsbesatzung seit unendlich langer Zeit zusammen mal nicht an Bord gespeist. Da der Fisch um Helgoland ausgestorben ist, entschieden sich die Landgänger für eine Pizza, die alle von der Größe und Geschmack die Note 2 bekamen.
146. Tag - Freitag - 19.09.2014
Um 10:00h wurden die Leinen im Osthafen von Helgoland eingeholt und die Dieseltanks an der Wassertankstelle bis zum Überlaufen aufgefüllt. Mit dem Großsegel, Genua und der Fock wurde alles an Segeln gesetzt, was am Wind möglich ist. Der Wandergeselle, den wir im Lokal getroffen hatten, stand plötzlich an der Pier und wollte mit nach Cuxhaven. Da die Schiffsführung nicht unsozial ist, durfte er mit seinem Päckchen und Wanderstab die Planken der „Falado“ betreten und mitreisen. Die 20% Kränkung der Yacht hoch am Wind fand der Passagier schon sehr bedrohlich und fragte ob alles seine Richtigkeit hat. Meine Antwort war, was glaubst du denn, warum wir und alle Seeleute so breitbeinig gehen. Die ständige Schlagseite hat das bewirkt, so steht man auch an Land immer sicher, auch nach zwei drei Eiergrogs. Mit hoch am Wind wird die Elbe erreicht. Es dauerte nicht lange, da wurden wir von der Küstenwache empfangen. Willkommen in Deutschland. Ein verkehrswidriges Verhalten wird der Schiffsführung zur Last gelegt. Mit einem großen schwimmenden Sanatorium, der „Neuwerk“, nur für Beamte die segelnde Wassersportler betreuen, kamen sie auf uns zugerast um uns das mitzuteilen. Kein Schiff wurde behindert oder zur Kursänderung gezwungen. Da versucht man auf die richtige Verkehrsseite zuzusteuern und wird von Wasserschutzbeamten zum Straftäter abgestempelt. Der Deutsche Amtsschimmel hat mal wieder kräftig gewiehert. Der Empfang in Cuxhaven war dagegen von einem verständnisvollen Beamten der Wasserschutzpolizei sehr freundlich und aufschlussreich. Viele seiner Kollegen haben große Probleme die neue Vorgehensweise der Traffic und seiner Amtskollegen mit zutragen. Das Gezeter über Kompetenzen Wasserschutz, Zoll und Küstenschutz ist nach wie vor nicht endgültig geregelt. Da helfen nur Anzeigen über Anzeigen um die Daseinsberechtigung der Kompetenzträger zu untermauern.
147. Tag - Samstag - 20.09.2014
Die vorletzte Etappe wurde um 07:30h in Angriff genommen. Wohlbehütet von Polizeibooten und der Küstenwache die auf der Elbe patrouillierten fühlten wir uns sicher genug, das eigentlich nichts mehr schief gehen kann. Im Gückstädter Außenhafen fanden wir ein ruhiges Plätzchen um die geschundenen Segel abzuschlagen damit sie eine Frischzellenkur beim Segelmacher erhalten. Das traumhafte Wetter wurde anschließend von allen Bordangehörigen auf dem Promenadendeck genutzt, um das natürliches Make Up aufzufrischen. Der Koch und seine Stellvertreter fühlten sich nach dem Sonnenbad nicht in der Lage, die Mannschaft am Abend zu versorgen. Mit letzter Kraft ging es zu Fuß zum „Dänen“ auf dem Marktplatz. Die gebotenen Meeresfrüchte zusammen mit einem kühlen Bier bewirkten Wunder, denn ohne Schwächeanfälle ging es zusammen wieder fröhlich zurück an Bord.
148. Tag - Sonntag - 21 09.2014
Eine innere Unruhe scheuchte die Mannschaft schon sehr früh aus ihren Kojen. Der Tag der Heimreise ist ja kein Tag wie jeder andere. Mit Shampoo, Schrubber und wohl duftender Chemikalie aus der Dose ging es in den Waschsalon, um sich von der letzten hartnäckige Patina Schicht der letzten Monate zu befreien um auch in der zurückkehrenden Zivilisation bestehen zu können Um 10:30h wurden auf dieser Reise ein letztes Mal die Festmacherleinen gekappt. Die „Falado“ pflügt die Meilen auf dem Elbwasser voran, auch ohne ihre abgeschlagenen Segel mit achterlichem Wind, wie ein Ross, dass von weitem schon den Stallgeruch wahr nimmt. Auf der Pinnau begrüßten uns als erste die treuen Fans, Helga und Manni mit ihrer „Meta“. Ein emotionaler Moment nach 5 Monaten Vagabundenleben, dass Einlaufen in den Uetersener Hafen. Ein Wechselbad der Gefühle übermannte mich, zwischen Wehmut, dass diese Reise nun abrupt zu Ende geht und den bewegenden Moment die lieben Freunde am Steg, wieder in die Arm nehmen zu können.
Hiermit möchte ich bei all denen, die unsere Reise begleitet haben und uns per E-Mail liebe Grüße und Wünschen haben zukommen lassen, ganz herzlich bedanken.
Ich würde mich ganz besonders freuen, wenn ihr Rendsburg euch melden würdet. Begegnet sind wir uns auf der Färöer Insel in Tórshavn und des Weiteren beim Empfangen in Uetersen. Ich habe weder eure E-Mail Adresse noch eure Telefonnummer, sodass ich keine Möglichkeit habe, euch zu kontaktieren. Bitte meldet euch!!!

 

Ebenso würde ich mich freuen, von euch Cuxhavenern zu hören, die die „Falado“ vom Kreuzfahrtschiff „Hamburg“ aus fotografiert haben und uns auch die Bilder haben zukommen lassen. Durch einen technischem Defekt sind eure E-Mail Adressen gelöscht worden. Bitte meldet euch!!!

 

    Tel.: 04121-4752880  walter-doelling@t-online.de
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